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Die Problematik der Rohstoffzertifikate

Grundlagen Commodities

Mehr als 70 Prozent der deutschen Haushalte heizen mit √Ėl und Gas. Sie haben im Moment allen Grund zu Freude, denn der sinkende √Ėlpreis sorgt f√ľr eine Ersparnis von rund 40 Prozent (Stand Februar 2015) gegen√ľber den H√∂chstkurse des Jahres 2012. Auf den internationalen Terminm√§rkten werden die Rohstoffpreise in US-Dollar abgerechnet. Ohne die extreme Schw√§che des Euros, h√§tten sich die Preise in knapp zwei Jahren glatt halbiert.

Auch so w√ľnscht sich aber manch Hausbesitzer, er h√§tte im Keller einen gr√∂√üeren Tank stehen und k√∂nnte das vermeintliche billige √Ėl gleich f√ľr die n√§chsten Jahre bunkern. Unabh√§ngig davon, ob die Notierungen f√ľr das schwarze Gold noch weiter sinken oder nicht, das Preisniveau ist verlockend genug. Nun lohnt vermutlich kein Anbau f√ľr neue √Ėltanks, aber w√§re es nicht m√∂glich, sich die aktuellen Kurse √ľber entsprechende Instrumente an der B√∂rse zu sichern?

Absicherung des Einkaufspreises

Theoretisch w√§re es denkbar an der B√∂rse (bzw. EUREX) ein Call-Zertifikat oder eine Option zu kaufen, um von wieder ansteigenden √Ėlpreisen in dem Ma√üe zu profitieren, wie es f√ľr den Kauf der gleichen Menge √Ėl im privaten Bereich n√∂tig w√§re. Streng genommen fiele dieser Vorgang nicht einmal in den Bereich der Spekulation, denn die H√∂he des Verbrauches kennt der Haubesitzer relativ gut.

F√§llt der √Ėlpreis, dann sinkt auch der Kurs des Zertifikates, aber der Einkauf wird dementsprechend billiger. Steigt der √Ėlpreis, dann steigt auch der Kurs des Zertifikates und der Gewinn kann f√ľr den Einkauf verwendet werden. Ein sch√∂ner Gedanke, aber die Sache hat leider einen Haken.

Kaufen Sie einen Tanker

Schon seit vielen Wochen greift der internationale √Ėlhandel zu ungew√∂hnlichen Mitteln: Weltweit werden gro√üe Supertanker angemietet, bis zur Oberkante aufgef√ľllt mit Roh√∂l und fahren anschlie√üend zur√ľck auf die offene See. Dort angekommen, haben Sie nur eine Aufgabe: Warten. Warten auf h√∂here Preise. Warum ist das ein lukratives Gesch√§ft? Dazu muss man ansatzweise die Funktionsweise von Terminm√§rkten erkl√§ren, an denen Rohstoffe aller Art gehandelt werden. Terminmarkt-Kontrakte haben eine feste Laufzeit und k√∂nnen sich preislich unabh√§ngig voneinander entwickeln.

Auf dem √Ėlmarkt wird aktuell eine Erholung auf Jahressicht eingepreist, weshalb der der √Ėlpreis f√ľr eine Lieferung in einem Jahr 20 Prozent mehr kostet, als der aktuelle Spotpreis. Die √Ėlh√§ndler haben also die M√∂glichkeit, die gesamte Ladung bereits jetzt mit einem Aufschlag von 20 Prozent zu verkaufen. Bei dieser Marge ist die t√§gliche Miete f√ľr den Tanker von rund 25.000 US-Dollar bis zur Lieferung in einigen Monaten verkraftbar. Diese Lagerkosten entstehen n√§mlich nicht nur bei schwimmenden Speichern, sondern auch an Land. Womit wir wieder beim Problem f√ľr den Haubesitzer w√§ren.

Contango

Ein endloses Call-Zertifikat k√∂nnten Sie theoretisch ewig in Ihrem Depot liegen lassen. Im Hintergrund wird der Emittent allerdings permanent in Ihrem Auftrag aktiv. Kurz vor Ende der Laufzeit verkauft er den aktuellen Kontrakt und schichtet um in den n√§chsten. Dabei entstehen Kosten, denn wie Sie bereits erfahren haben, handeln die zuk√ľnftigen Kontrakte mit einem starken Aufschlag zum Preis bei Sofortlieferung. Diesen Zustand nennt man Contango, die entgegengesetzte Marktsituation Backwardation (komm deutlich seltener vor).

Auch wenn der Aufschlag derzeit extrem anmutet und eine Erholung der √Ėl-Notierungen bereits vorweg nimmt, ist er auch in weniger angespannten Situationen nachvollziehbar. Die Lagerung von √Ėl kostet Geld in Form von Lagergeb√ľhren, Versicherungskosten und Zinsen. Wer bezahlt diese Rollkosten? Sie! Der Emittent kann mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Terminkontrakte nur noch eine geringere Menge des zuk√ľnftigen Kontraktes kaufen. Die Folge: Der Kurs des Zertifikates sinkt fortw√§hrend w√§hrend der Haltedauer, denn die Kosten werden flie√üend abgezogen.

Fazit

Erbwerben Sie jetzt ein Call-Zertifikat, dann muss √Ėl bis Dezember um rund 20 Prozent steigen, damit Sie keinen Verlust erleiden. Zus√§tzlich unterliegt Ihre Anlage nat√ľrlich einem W√§hrungsrisiko. Sollte Ihr privater Verbrauch mehr als eine Million Barrel √Ėl im Jahr betragen, dann lohnt sich also eventuell doch die Anschaffung eines Tankers! Eine andere, etwas spekulativere, Alternative w√§re evtl. der Kauf eines ETFs mit dem Schwerpunkt √Ėlf√∂rdernde Unternehmen, die von einer Kurserholung profitieren sollten. Oder Sie spekulieren direkt auf den Future mittels CFDs.

Ihr Sebastian Hell
CFD-Experte & Börsenjournalist

Die obenstehende Kolumne wird Ihnen präsentiert von QTrade (www.qtrade.de)!
Weitere Artikel von Sebastian Hell finden Sie auch unter https://qtrade.de/tradingblog

√úber den Autor & Qtrade
Sebastian Hell hat Internationale Finance in Deutschland und den USA studiert. Er ber√§t Verm√∂gensverwalter und Hedge Fonds bei der Umsetzung von Handelsstrategien und ver√∂ffentlich regelm√§√üig im Auftrag von QTrade (www.qtrade.de) Kolumnen √ľber die Finanzm√§rkte. QTrade mit Sitz in M√ľnchen bietet seinen Kunden neben Top-Handelskonditionen umfangreiche Zusatzsoftware f√ľr den MetaTrader 4 und 5 wie Actionlines, Sekunden-Trader, QCentral, QSnap und vieles mehr! Mehr Infos unter www.qtrade.de

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