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Relative StÀrke - Strategie zur systematischen Aktienauswahl ?- Teil 2

Grundlagen Trading

[Derivate Magazin I Dr. Gregor Bauer] - In der zurĂŒckliegenden Ausgabe des Derivate Magazins stellten wir einige systematische Strategien der taktischen Asset-Allokation vor, die auf Basis eines erweiterten Relative-StĂ€rke-Konzepts die Benchmark schlagen. Insgesamt wurden fĂŒnf Strategien besprochen. Darauf aufbauend sollen im Folgenden Erweiterungen der besten Strategie vorgestellt werden.

Die Grundlagen der klassischen Momentum-Strategie nach Levy und die Erweiterung ĂŒber den Rangindikator nach Paesler wurden bereits im letzten Heft erlĂ€utert. Hier noch einmal ein kurzer Überblick ĂŒber die bisher erlĂ€uterten Strategien.

Bekanntlich wird gemĂ€ĂŸ dem Konzept der relativen StĂ€rke nach Robert Levy (RSL) eine Sortierung aller Aktien eines Wertpapieruniversums, z. B. eines Index, nach dem Quotienten aus aktuellem Kurs und dem Durchschnitt der Kurse der letzten 130 Tage vorgenommen und so eine Rangliste erstellt. Levy stellte in seiner Untersuchung Gewinner- und Verliererportfolios nach dem Kriterium des RSL-Konzepts zusammen und verglich deren Wertentwicklung nach sechs Monaten.

1. Handelsansatz: Die Umsetzung der Momentum-Strategie nach Levy

In unseren Teststrategien werden aus dem DAX-Universum von 30 Aktien die sechs Aktien gekauft, die zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Wert von grĂ¶ĂŸer 80 im 130-Tage-RSL-Rangindikator aufweisen (Wertebereich des RSL-Rangindikators nach Paesler: 0–100). Dabei bedeutet ein Indikatorwert von grĂ¶ĂŸer 80, dass nur die 20% der Aktien mit den höchsten Indikatorwerten gekauft werden, bei 30 DAX-Werten also genau sechs. Diese bilden das Gewinnerportfolio „G6“. Das Verliererportfolio „V6“ ergibt sich durch den Kauf der sechs Aktien, deren 130-Tage-RSL-Rangindikator zu einem bestimmten Zeitpunkt kleiner 20 ist, die also zu den 20% der schlechtesten Aktien gehören. Das Umschichten erfolgte zweimal im Jahr und zwar Anfang Januar und Anfang Juli.
Ergebnis: Die Ergebnisse waren allerdings noch ernĂŒchternd, ein nachhaltiger Momentum-Index der Gewinneraktien ließ sich im DAX 30 nicht zeigen.

2. Handelsansatz: Wechsel zwischen Gewinner- und Verlierer-Portfolios

Die grundsÀtzliche Idee hierbei: Es wird wechselweise in die Gewinner und Verlierer investiert.
Am Jahresanfang wird in die sechs Aktien investiert, deren Rangindikator auf der Basis des 130-Tage-RSL unter 20 verlÀuft (also das Verlierer-Depot, V6).
Zur Jahresmitte wird dann in das Gewinner-Depot (G6) gewechselt, also in die sechs Aktien investiert, deren Rangindikator der 130-Tage-RSL ĂŒber 80 betrĂ€gt. Diese Strategie erhĂ€lt die Bezeichnung „V6 G6 RSL DAX-Aktien dynamisch“.
Ergebnis: Die Strategie des Wechsels der Verlierer in die Gewinner zur Jahresmitte zeigt eine deutlich bessere Performance.

3. Handelsansatz mit Filterbedingung: Einbeziehen eines „Sommerlochs“

Das Umschichten in den erlÀuterten Strategien findet jetzt zu geÀnderten Zeiten statt.
1. Phase: Investition von Anfang Januar bis Anfang Juni
2. Phase: Investition von Anfang Oktober bis Anfang Januar
Die Monate Juni bis September werden folglich als Sommerloch ausgespart und das Kapital zum Geldmarktsatz (Eonia) angelegt.
Die Strategie „V6 G6 RSL DAX-Aktien dynamisch“ wurde unter Einbeziehung des Sommerlochs getestet.
Ergebnis: Die EinfĂŒhrung eines Sommerlochs fĂŒhrt zu deutlichen Verbesserungen der Rendite.

4. Handelsansatz mit Filterbedingung: DAX im AufwÀrtstrend

Die neu eingefĂŒgte Filterregel besagt, dass nur dann in Aktien investiert wird, wenn sich der Gesamtmarkt, gemessen am DAX, im AufwĂ€rtstrend befindet. An den beiden Umschichtungstagen im Jahr muss also die 130-Tage-RSL des DAX grĂ¶ĂŸer als eins sein, damit investiert werden darf.
Der Handelsansatz „V6 G6 RSL DAX-Aktien dynamisch“ wurde nur mit dieser Filterregel getestet, also ohne zusĂ€tzliches „Sommerloch“
Ergebnis: Ein Filter, der Transaktionen nur bei einem AufwÀrtstrend im DAX zulÀsst, erhöht die Performance signifikant und verbessert die Risikokennzahlen.

5. Handelsansatz mit Filterbedingung: Sommerloch und DAX im AufwÀrtstrend

Die beiden oben beschrieben Strategieerweiterungen lassen sich auch kombinieren. Dabei wird sowohl das Sommerloch als auch der erforderliche AufwĂ€rtstrend im DAX berĂŒcksichtigt, letzterer gemessen an der 130-Tage-RSL des DAX.
Ergebnis: Mit einer jĂ€hrlichen Rendite von 14,48 Prozent und einem maximalen Drawdown von ?35,82 Prozent konnte die Strategie „V6 G6 RSL DAX-Aktien dynamisch“ die Rendite gegenĂŒber der DAX Kauf-Halte-Strategie im 23-jĂ€hrigen Testzeitraum mehr als verdoppeln und gleichzeitig den maximalen Drawdown dieser Strategie von ?73,40 Prozent mehr als halbieren, wobei die VolatilitĂ€t insgesamt bei nur 15,24 Prozent lag (DAX-Kauf-Halte-Strategie: 22,40 Prozent)

Abbildung 1 stellt das Ergebnis der bisher besten Strategie in Vergleich zu einer Kauf-Halte-Strategie eines DAX-ETF graphisch dar. Der Testzeitraum lag zwischen dem 26.3.1992 und dem 26.03.2012.


Abbildung 1: Vergleich des Aktienauswahl-Systems „V6 G6 RSL DAX-Aktien dynamisch“ (rote Linie) mit einer Kauf-Halte-Strategie (schwarze Linie). Testzeitraum: 26.03.1992–26.032012
(Quelle: Oliver Paesler, captimizer.de)

Tabelle 1 stellt noch einmal die Performance sowie die Risikokennzahlen der einzelnen bisher getesteten Strategien einander gegenĂŒber.


Quelle: Oliver Paesler, captimizer.de

Im zweiten Teil der Artikelserie betrachten wir nun einige Neuerungen, um den Auswahlprozess weiter zu optimieren. Dabei soll natĂŒrlich die leichte Umsetzbarkeit im Rahmen einer Vermögensverwaltung weiterhin gewĂ€hrleistet sein.
Abweichend vom bisherigen, fest vorgegebenen Rhythmus der Depotumschichtungen, wurden Verfahren zur Optimierung des Prozesses der Umschichtungen getestet. Dabei soll insbesondere auch das VerhÀltnis von Performance zu Risiko weiter verbessert werden.

6. Handelsansatz: Variable Umschichtungen

Wir verwenden jetzt zusĂ€tzlich eine Ein- und Austrittsbarriere in Bezug auf die Position einer Aktie in der Relative-StĂ€rke-Rangliste. Investoren steigen ein, wenn sich eine Aktie in der Rangliste nach oben gearbeitet hat und eine vorgegebene Rangposition ĂŒberschreitet. Gehört die Aktie beispielsweise zu den 20 Prozent der DAX-Aktien mit der höchsten relativen StĂ€rke, setzen Sie darauf, dass sich dieser Trend fortsetzt und sich die Aktie auch in Zukunft ĂŒberdurchschnittlich entwickelt, der Wert des RSL-130-Rangindikators der Aktie steigt also ĂŒber 80.

Umgekehrt wird eine Aktie verkauft, wenn sie nicht mehr zur Spitzengruppe gehört. Also wenn in unserem Beispiel der RSL-130-Rangindikator unter 80 fĂ€llt. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass zeitnah auf Änderungen reagiert werden muss. Auf der anderen Seite ist dieser Ansatz auch mit einem höherem Arbeitsaufwand und auch höheren Transaktionen verbunden.
Ergebnis: Die Strategie hat einen entscheidenden Nachteil: Wird als Eintritts- und Austrittsbarriere dieselbe Rangposition gewĂ€hlt, so fĂŒhrt das Schwanken des RSL-Rangindikators um diese Barriere zu vielen Fehlsignalen. In der Praxis fĂŒhrt diese Kombination in Verbindung mit den erhöhten Transaktionskosten zu Verlusten, selbst wenn der DAX im gleichen Betrachtungszeitraum gestiegen ist.

Um die TransaktionshÀufigkeit zu senken, bieten sich mehrere Möglichkeiten an.

1. Man kann die Eintrittsbarriere höher legen als die Austrittsbarriere und so eine Art neutrale Zone schaffen, die verhindert, dass kleine zufĂ€llige Schwankungen zu hĂ€ufigen Fehlsignalen fĂŒhren. So kann eine Aktie beim Überschreiten von 80 im RSL-Rangindikator gekauft und erst dann wieder verkauft werden, wenn sie unter 70 fĂ€llt. Mit diesem Ansatz ließ sich die Rendite aber auch nur geringfĂŒgig verbessern.

2. Etwas bessere Ergebnisse zeigte die EinfĂŒhrung einer Verifikationsdauer. Wenn Sie beispielsweise fĂŒnf Tage abwarten, ob sich die Aktie oberhalb bzw. unterhalb der Barriere von 80 hĂ€lt und erst dann handeln, vermindern Sie Fehlsignale und senken Transaktionskosten.

3. Als sehr gut geeignet erwies sich die Verwendung eines auf den RSL-Rangindikator berechneten gleitenden Durchschnitts. Durch die GlÀttung des Indikatorverlaufs wurden Fehlsignale weiter reduziert.

7. Handelsansatz: Variable Umschichtungen und Market-Timing

Wir kombinieren jetzt zwei unterschiedliche Auswahl-Faktoren. Unter Einbeziehung einer Market-Timing-Komponente soll nur dann in eine Aktie aus dem DAX investiert werden, wenn sich die Aktie und der DAX gleichzeitig im AufwĂ€rtstrend befinden. Um den AufwĂ€rtstrend zu definieren verwenden wir wieder die 130-Tage-RSL. Ist sie grĂ¶ĂŸer eins, befindet sich der Kurs oberhalb seines 130-Tage-Durchschnitts, wodurch der AufwĂ€rtstrend definiert wird.

Der zweite Auswahl-Faktor bezieht sich auf die Optimierung des Zeitpunkts der Umschichtungen aus Handelsansatz sechs. Wir kombinieren hierbei nun die 10-Tage-GlĂ€ttung des RSL-Rangindikators mit der Verifikationsdauer von fĂŒnf Tagen.

Die Handelsregeln des dynamischen Momentum-Ansatzes mit Auswahl und Timing-Komponente

Die Handelsregeln:

Die Einstiegsbedingungen:

Unser Einstiegssignal erfolgt, wenn der mit einem 10-Tage-Durchschnitt geglĂ€ttete RSL-130-Rangindikator fĂŒnf Tage ĂŒber 80 verlĂ€uft (Aktien-Auswahl-Komponente) und die beiden Filterbedingungen 130-Tage-RSL der Aktie und 130-Tage-RSL des DAX grĂ¶ĂŸer eins sind (Timing-Komponente).

Dabei bringt die Aktien-Auswahl-Komponente, dass die Aktie selbst beim Einstieg einen RSL-130-Wert von grĂ¶ĂŸer eins aufweisen muss, nur geringe Verbesserungen. Der Grund dafĂŒr liegt darin, dass die Aktien, die in die Spitzengruppe eintreten, meist ohnehin einen RSL-130-Wert von ĂŒber eins aufweisen. Da wir allerdings einen AbwĂ€rtstrend in der Aktie als zusĂ€tzlichen Ausstiegsgrund definiert haben, schĂŒtzt uns diese Filterbedingung davor, dass die Ausstiegsbedingung schon beim Einstieg erfĂŒllt ist.

Die Ausstiegsbedingungen:

Ein Ausstieg erfolgt, wenn die Aktie die Spitzengruppe wieder verlĂ€sst, also der mit einen 10-Tage-Durchschnitt geglĂ€ttete RSL-130-Rangindikator fĂŒnf Tage unter 80 verlĂ€uft oder die Aktie selbst in den AbwĂ€rtstrend gerĂ€t, was nach unserer Definition eintritt, wenn die 130-Tage-RSL der Aktie unter eins fĂ€llt. ZusĂ€tzlich wurde noch ein nachgezogener 15-Prozent-Stop als Sicherheitsausstieg definiert.

In Abbildung 2 ist die Aktie von MAN als Beispiel fĂŒr eine Transaktion der Strategie dargestellt. Die beiden unteren Indikatoren stellen zusammen die Filterbedingungen dar, die erfĂŒllt sein mĂŒssen, damit der erste Indikator ein Einstiegssignal erzeugen kann. Sowohl der RSL-130-Wert der MAN-Aktie, als auch der RSL-130-Wert des DAX mĂŒssen grĂ¶ĂŸer eins sein. Dort wo beide Filterbedingungen erfĂŒllt sind, ist der Chart mit einem grauen Bereich hinterlegt. Der erste Indikatorbereich zeigt den mit einem 10-Tage-Durchschnitt geglĂ€tteten Verlauf des RSL-130-Rangindikators, der als eigentlicher Signalgeber fungiert. Mitte Mai 2010 hat der geglĂ€ttete RSL-130-Rangindikator die 80er Marke fĂŒnf Tage infolge ĂŒberschritten und ein Einstiegssignal erzeugt. Anfang Juni generierte der Indikator allerdings wieder ein Ausstiegssignal und verhinderte dadurch aber einen grĂ¶ĂŸeren Drawdown in Hinblick auf die kurz darauf einbrechenden MĂ€rkte. Das nĂ€chste Einstiegssignal wurde dann wieder zum Jahresbeginn 2012 erzeugt.


Abbildung 2: Die Entwicklung der MAN-Aktie (schwarze Linie) im Vergleich zum DAX. Mithilfe der dynamischen Momentum-Strategie mit Auswahl- und Timing-Komponente wird die Aktie in den Zeitperioden gehalten, in denen diese eine Outperformance gegenĂŒber dem Index erzielt, also seit Januar 2012.
(Quelle: Oliver Paesler, captimizer.de)

Jetzt konnte das System die starke AufwĂ€rtsbewegung sehr gut mitnehmen und ist zum aktuellen Zeitpunkt immer noch investiert. Vergleicht man die Entwicklung der MAN-Aktie (schwarze Linie) mit der Entwicklung des DAX (blaue Linie), so wird eine deutliche Outperformance der Aktie gegenĂŒber dem Index wĂ€hrend der aktuellen Halteperiode ersichtlich. Das System kann also durch aktives Stock-Picking erfolgreich den Markt schlagen.

Mit dieser dynamischen Momentum-Strategie wurde im Testzeitraum von 20 Jahren eine Rendite von 11,79 Prozent pro Jahr erzielt. Ein DAX-ETF hĂ€tte im gleichen Zeitraum „nur“ 7,19 Prozent pro Jahr erreicht. Damit hat unsere Strategie eine erhebliche Outperformance erzielt, und das verbunden mit deutlich besseren Risikokennzahlen, wie Sie Tabelle 2 entnehmen können.

Tabelle 2: Rendite und Risikokennzahlen der dynamischen Momentum-Strategie gegenĂŒber verschiedenen Vergleichsstrategien ĂŒber 20 Jahre (26.03.1992 – 26.03.2012)


Quelle: Oliver Paesler, captimizer.de

ÜberprĂŒfung der Effizienz der zwei Filterkomponenten der dynamischen Strategie
Mit zwei Tests wollen wir nun feststellen, ob die Auswahl- oder die Timing-Komponente alleine nicht schon vergleichbar gute Ergebnisse bringen. WÀre dies der Fall, könnte man ja auf eine der beiden Komponenten verzichten.

Test 1: DAX-ETF mit Timing-Komponente versus DAX „Buy and Hold“

Wir testen die Performance eines DAX-ETF mit der Timing-Komponente. Wenn man beurteilen will, ob die Auswahl-Komponente einen Vorteil bringt, muss man eine Strategie, welche die Timing-Komponente auf den DAX anwendet, mit einer einfachen DAX-ETF-„Kauf-und-Halte-Strategie“ vergleichen. Schließlich könnte ja der Mehrwert unserer dynamischen Momentum-Strategie ausschließlich durch die Timing-Komponente verursacht sein. Wenn dies der Fall ist, wĂ€re es einfacher, gleich auf die Auswahl-Komponente zu verzichten.

Bei dieser Vergleichsstrategie legen wir das Geld immer in einem DAX-ETF an, wenn der RSL-130-Wert des DAX grĂ¶ĂŸer eins ist, andernfalls wird in ein Geldmarkt-ETF investiert. Dieser Ansatz reduziert zwar den maximalen Kapitalverlust um die HĂ€lfte gegenĂŒber einer Kauf-Halte-Strategie, bleibt mit 7,04 Prozent Rendite pro Jahr aber auch hinter der Rendite der Kauf-Halte-Strategie mit 7,19 Prozent zurĂŒck.

TatsĂ€chlich lĂ€sst sich die DAX-Timing-Strategie durch die Anwendung des Auswahlfilters noch verbessern. Ein weiterer Testansatz sieht jetzt vor, erst dann in den DAX-ETF zu investieren, wenn die 130-Tage-RSL fĂŒnf Tage ĂŒber dem Wert von eins verlĂ€uft. Liegt sie fĂŒnf Tage darunter, wird verkauft. Diese Verbesserung reduziert die TransaktionshĂ€ufigkeit und steigert die Rendite auf fast 9,9 Prozent p. a., da Fehlsignale, die durch kleine Schwankungen der 130-Tage-RSL um den Wert von eins auftreten, reduziert werden. Die Risikokennzahlen bleiben dabei weitestgehend unverĂ€ndert. Auf den Einsatz des nachgezogenen 15-Prozent-Stops wurde an dieser Stelle verzichtet, da dieser zu keiner merklichen VerĂ€nderung der Ergebnisse fĂŒhrt.

Test 2: Auswahl der DAX-Aktien mit Timing-Komponente

In diesem Test wird jetzt die Timing-Komponente nicht auf den DAX, sondern auf die einzelnen Aktien angewendet. Auch bei dieser Vorgehensweise bringt die Verifikationsdauer von fĂŒnf Tagen eine Verbesserung der Rendite.
Eine Aktie wird folglich gekauft, wenn der RSL-130-Wert der Aktie fĂŒnf Tage ĂŒber eins verlĂ€uft, und wieder verkauft, wenn der RSL-130-Wert ĂŒber fĂŒnf Tage unter eins liegt.

Auch bei dieser Strategie wurden ein nachgezogener 15-Prozent-Stop als Sicherheitsausstieg verwendet und immer ein Sechstel des Kapitals investiert. Bei dieser Vorgehensweise spielt die zeitliche Abfolge, in der die Signale auftreten, eine wichtige Rolle. Denn es können nur solange neue Positionen aufgebaut werden, wie die liquiden Mittel ausreichen. Ist das Kapital investiert, werden alle weiteren Einstiegssignale ignoriert.

Mit dieser reinen Timing-Strategie auf die Aktien des DAX lĂ€sst sich schon eine beachtliche Rendite von 8,78 Prozent pro Jahr erzielen. Die Überlegung, diese reine Timingstrategie mit der Auswahl-Komponente als Filter zu verbessern, liegt nahe. Leider klappt dies in der Praxis nicht wie erhofft und die Erweiterung der Strategie mit einer Filterbedingung auf Basis der Rangposition fĂŒhrt zu keiner Verbesserung der Ergebnisse. Wenn der Wert des RSL-130-Rangindikators beim Einstiegssignal ĂŒber 80 liegen soll, entstehen zu wenige Signale, da die 130-Tage-RSL der Aktien meist deutlich vorher ĂŒber eins steigt. Ein Absenken der Filterbarriere auf 50 sorgt zwar fĂŒr eine deutliche Verbesserung gegenĂŒber der 80er Variante, kann aber keinen Mehrwert gegenĂŒber der Variante ohne Filter generieren. Tabelle 1 zeigt die Rendite und Risikokennzahlen der dynamischen Momentum-Strategie im Vergleich zur Kauf-und-Halte-Strategie auf einen DAX-ETF sowie die Ergebnisse der beiden Teststrategien ĂŒber 20 Jahre (26.03.1992–26.03.2012).

Ergebnis:

Die dynamische Momentum-Strategie mit Auswahl- und Timing-Komponente erwies sich im Testzeitraum gegenĂŒber allen Vergleichsstrategien als ĂŒberlegen. Mit 11,79 Prozent Rendite pro Jahr und einem maximalen KapitalrĂŒckgang von ?22,33 Prozent konnte ein attraktives VerhĂ€ltnis von Risiko und Rendite erzielt werden, was auch in einer MAR-Ratio von 0,53 deutlich wird. Der Mehrwert dieser Strategie entsteht allerdings erst im Zusammenspiel von Auswahl- und Timing-Komponente. Weder die Auswahl- noch die Timing-Komponente allein konnten ein vergleichbares Ergebnis erzielen. Schaut man sich die Wertentwicklung der einzelnen Strategien in Abbildung 3 an, wird deutlich, dass die Outperformance in den großen Baissen generiert wird. Dabei sorgt die Timing-Komponente dafĂŒr, dass lange Phasen des Abschwungs vermieden werden. Aber auch der Vergleich mit der reinen Timing-Strategie auf den DAX zeigt, dass die Aktienauswahl gerade am Ende einer AufwĂ€rtsbewegung Vorteile bringt.

Die Ergebnisse sind insofern erstaunlich, da wissenschaftliche Untersuchungen ergeben haben, dass der sogenannte Momentum-Effekt bei Aktien aus dem DAX nur sehr schwach ausgeprĂ€gt ist. Der Momentum-Effekt soll allerdings bei Aktien aus der zweiten Reihe besonders stark ausgeprĂ€gt sein. In der nĂ€chsten Ausgabe des Derivate Magazins werden wir daher der Frage nachgehen, ob ein erweitertes Anlageuniversum die Anwendung von Momentum-Strategien begĂŒnstigt.


Abbildung 3: Wertentwicklung der dynamischen Momentum-Strategie (schwarze Linie) im Vergleich zu einem DAX-ETF(Buy-and-Hold; rote Linie) und einer reinen Timing-Strategie mit einem DAX-ETF (blaue Linie)
(Quelle: Oliver Paesler, captimizer.de)

Fazit

GegenĂŒber der bisherigen Strategie („V6 G6 RSL DAX Aktien dynamisch“) wurde mit der hier erlĂ€uterten dynamischen Momentum-Strategie ein Fortschritt hinsichtlich des Chance-Risiko-Profils erzielt, denn fĂŒr Vermögensverwalter und institutionelle Investoren entscheidend ist die Erzielung einer akzeptablen Rendite bei möglichst geringem Drawdown.

Insbesondere die neu eingefĂŒhrten Auswahl- und Timing-Komponenten reduzieren die Verlustphasen deutlich. Diese Kombination bietet Investoren daher einen Chance-Risiko-optimierten Handelsansatz, der in allen ETF-Portfolios leicht umzusetzen ist.

Über den Autor: Dr. Gregor Bauer arbeitet als selbstĂ€ndiger Portfolio-Manager fĂŒr Privatkunden und Firmen (www.drbauer-consult.de) und ist Dozent fĂŒr Portfoliomanagement an verschiedenen Hochschulen.

Dieser Artikel ist erschienen im Derivate Magazin. | Ausgabe 2 | 2012

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