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Devisen: Währungsderivate als Depotbereicherung

Grundlagen Forex

[Derivate Magazin 01I2012 - Marc Nitzsche] - F√ľr aktive Trader ist der Devisenbereich ein echtes Eldorado. Denn w√§hrend die Handelbarkeit anderer Asset-Klassen auf einige Stunden pro Tag begrenzt ist, lassen sich W√§hrungen - zumindest von Montag bis Freitag - rund um die Uhr handeln. Dies ist allerdings nur ein Aspekt, die Spekulation auf steigende oder fallende Wechselkurse zu einer echten Depot-Bereicherung zu machen.

Professionelle Investoren, wie beispielsweise die Spekulanten-Legende George Sorros, haben das Potenzial von Devisen-Engagements bereits vor vielen Jahren erkannt. Bei Privatanlegern erfreuen sich W√§hrungstrades bislang nur einer vergleichsweise √ľberschaubaren Beliebtheit. Dies d√ľrfte vornehmlich auf Verst√§ndnisprobleme zur√ľckzuf√ľhren sein, denn der Devisenhandel gilt nicht umsonst als K√∂nigsdisziplin. Er hat sich diesen Ruf erarbeitet, weil er in der Tat alles andere als einfach ist. Aus diversen Leserzuschriften wird deutlich, dass unser Magazin mittlerweile verst√§rkt auch von Privatanlegern gelesen wird. Jenen soll mit diesem Beitrag ein Grundwissen im Bereich Devisen vermittelt werden.

Cross Rates verstehen

F√ľr Verwirrung im Devisenbereich sorgt oftmals der h√§ufig anzutreffende Begriff der Cross Ratings. Definitionsgem√§√ü versteht man darunter den errechneten Wechselkurs zwischen zwei W√§hrungen, der sich aus der Verkettung zweier anderer Wechselkursrelationen ergibt. Cross Rates werden dann ben√∂tigt, wenn es zwischen zwei W√§hrungen keinen amtlichen Wechselkurs gibt.

Aber die Cross Rates haben auch noch eine andere Dimension: Im Regelfall denken Anleger aus bestimmten W√§hrungsr√§umen stets in ihrer Heimatw√§hrung. F√ľr Investoren, die ihren Wohnsitz in der Euro-Zone haben, ist daher die Gemeinschaftsw√§hrung Dreh- und Angelpunkt ihres Denken und Handelns. Spekuliert ein europ√§ischer Anleger zum Beispiel auf eine Aufwertung des Greenbacks gegen den Japanischen Yen, muss er immer auch die Kursentwicklung der beiden W√§hrungspaare Euro/US-Dollar und Euro/Japanischer Yen im Blick behalten. Denn selbst wenn er in dem USD/JPY-Trade nominal 20 Prozent Gewinn (quasi auf US-Dollar-Basis) macht, ist es vorstellbar, dass durch eine ung√ľnstige Entwicklung des Wechselkurses zwischen US-Dollar und Euro in Euro gerechnet weniger Gewinn als die angesprochenen 20 Prozent entsteht. Im ung√ľnstigsten Fall sind auf Euro-Basis sogar Verluste vorstellbar. F√ľr Anf√§nger im Devisensegment bietet es sich daher an, vornehmlich auf die Entwicklung von W√§hrungspaaren zu spekulieren, wobei der eine Teil des W√§hrungspaars die Heimatw√§hrung sein sollte. Auf diese Weise lassen sich die T√ľcken der Cross Rates relativ einfach umschiffen.

Gewaltige Volumina verhindern Manipulationen

Einer der gr√∂√üten Vorteile der Devisenm√§rkte √ľberhaupt sind die gewaltigen Handelsvolumina. Im Jahr 2007 wurden t√§glich W√§hrungstransaktionen im Gegenwert von √ľber 3,2 Billionen US-Dollar get√§tigt. Zu Beginn der 80er Jahre waren es gerade einmal 120 Millionen Dollar, so dass die Ums√§tze innerhalb von 27 Jahren um √ľber 2500 Prozent explodiert sind.

Gewaltige Volumina verhindern Manipulationen

Einer der gr√∂√üten Vorteile der Devisenm√§rkte √ľberhaupt sind die gewaltigen Handelsvolumina. Im Jahr 2007 wurden t√§glich W√§hrungstransaktionen im Gegenwert von √ľber 3,2 Billionen US-Dollar get√§tigt. Zu Beginn der 80er Jahre waren es gerade einmal 120 Millionen Dollar, so dass die Ums√§tze innerhalb von 27 Jahren um √ľber 2500 Prozent explodiert sind.

So richtig erschlie√üt sich die schiere Gr√∂√üe der Devisenm√§rkte allerdings erst, wenn man einen Vergleich zu den Ums√§tzen anderer Asset-Klassen vornimmt. Aktuell werden allein FOREX-Transaktionen von t√§glich 2,8 Billionen US-Dollar vorgenommen. Demgegen√ľber muten die 510 Millionen der US-Dollar-Anleihem√§rkte bescheiden an ‚Äď von dem lediglich 75 Millionen Dollar umfassenden t√§glichen Handelsvolumen in US-Aktien ganz zu schweigen.

Dass bei derartigen Volumina, wie sie an den Devisenm√§rkten zu finden sind, Manipulationen faktisch ausgeschlossen sind, d√ľrfte auf der Hand liegen. Bereits in M√§rkten wie Gold oder √Ėl, die sich gegen√ľber dem Devisensegment zwergenhaft ausnehmen, lassen sich die Notierungen durch den Kauf oder Verkauf von ein paar hundert Kontrakten nicht nennenswert beeinflussen. Und auch bei Aktien, die eine Marktkapitalisierung im Milliarden-Bereich aufweisen, m√ľssten schwarze Schafe mehr Geld aufwenden, um die Notierungen in eine bestimmte Richtung zu lenken, als ihnen in der Regel zur Verf√ľgung steht. Wirkliche Erfolge kann man mit Front Running und/oder Pushen nur bei recht marktengen und kleinen Aktientiteln erzielen. Am Devisenmarkt ist Derartiges allerdings nahezu v√∂llig ausgeschlossen und deshalb wird der Bereich oft und zu Recht als fairster Markt der Welt bezeichnet.

Geringe Allokation zu anderen Märkten

Ein weiterer Punkt, der Devisen zu einer hochinteressanten Anlageklasse macht, ist die relativ geringe Allokation zu den Aktien-, Rohstoff- und Anleihem√§rkten. Zugegeben: In der Grundtendenz besteht ein gewisser Zusammenhang zwischen steigenden Aktienm√§rkten und einer festen W√§hrung, da beides in der Regel das Resultat einer robusten und wettbewerbsf√§higen Wirtschaft eines Landes ist. Soweit die Theorie. In der Praxis stellt es sich allerdings h√§ufig anders dar. Aktuell ist der Japanische Yen in US-Dollar nur unweit von seinen H√∂chstst√§nden entfernt. V√∂llig anders stellt sich die Lage bei den Aktienindizes dar: Der Dow Jones ist gerade einmal 1500 Z√§hler von seinem Allzeithoch entfernt, w√§hrend der Nikkei seit seinen H√∂chstst√§nden im Bereich um 40 000 Punkte in den 80er Jahren kontinuierlich von einem Tief zum n√§chsten taumelt und im tristen Verlauf gen S√ľden mittlerweile schon erkennbar im vierstelligen Bereich angekommen ist. Wer also im Vertrauen darauf, dass die amerikanische Volkswirtschaft langfristig erfolgreicher agiert als die japanische, auf einen steigenden US-Dollar gegen√ľber dem Yen gesetzt hat statt auf steigende Aktienkurse, hat in den letzten Dekaden wohl eine der bittersten Entt√§uschungen seines ganzes Lebens erlebt. Die Devisenm√§rkte werden teilweise durch ganz besondere Faktoren gepr√§gt, wie im vorliegenden USA-Japan-Beispiel unter anderem durch den bekannten Drang der Japaner, im Falle von Katastrophen im Inland die in anderen W√§hrungen angelegten Reserven in Yen zu tauschen. Dadurch wird die japanische Valuta so stark gest√ľtzt, dass selbst die Notenbank letztlich machtlos ist.

Devisenspekulanten sollten die Besonderheiten dieser M√§rkte (auf die hier aus Platzgr√ľnden nicht detailliert eingegangen werden kann) unbedingt kennen. Andernfalls kann man sich ‚Äď wie gezeigt ‚Äď sehr schnell die Finger verbrennen. Und auf jeden Fall ist es ratsam, sich hinsichtlich der volkswirtschaftlichen Daten aus den Staaten, in dessen W√§hrungen man investiert ist, auf dem Laufenden zu halten.

Trends oft √ľber viele Jahre

Ein weiteres Ph√§nomen an den Devisenm√§rkten ist die Tatsache, dass Trends oftmals erheblich l√§nger dauern als in anderen B√∂rsensegmenten. Zwar gibt es selbstverst√§ndlich auch Aktien-Bullenm√§rkte, die √ľber viele Jahre (teilweise sogar √ľber eine ganze Dekade) intakt sind. Doch w√§hrend solche sehr langfristigen Trends bei Aktien eher die Ausnahme als die Regel darstellen, ist es im Devisenbereich genau umgekehrt. Dort sind Trends √ľber zehn Jahre oder noch l√§nger keine Seltenheit. Zur Veranschaulichung gen√ľgt ein Blick auf die l√§ngerfristige Entwicklung des Wechselkurses zwischen Euro und US-Dollar. Das ganz gro√üe Bild ab 1953 (die DM-Kurse bis 1999, umgerechnet in Euro) belegt, dass sich die Gemeinschaftsw√§hrung in einem langj√§hrigen und intakten Aufw√§rtstrend gegen√ľber dem US-Dollar bewegt. Die letzten Jahrzehnte ging es regelm√§√üig zehn Jahre aufw√§rts und dann f√ľnf Jahre abw√§rts. Der letzte Aufw√§rtstrend dauerte nur acht Jahre. Seit 2008 geht es wieder abw√§rts ‚Äď und zwar in einem bilderbuchm√§√üigen Trendkanal.

Das l√§ngere Zeitfenster bei Devisentrends hat f√ľr eher passive Anleger den entscheidenden Vorteil, dass sie ihr Investment nicht so intensiv beobachten m√ľssen wie bei anderen Anlageklassen und am Ende trotzdem in den meisten F√§llen gutes Geld verdienen. Aber auch aktive Trader k√∂nnen sich die Langfristigkeit von Devisentrends zunutze machen. Ist man in ein entsprechendes Hebelprodukt eingestiegen, warten kluge Anleger ab, bis ein gen√ľgend hoher Gewinn entstanden ist, der dazu f√ľhrt, dass die Hebelwirkung nachl√§sst, stellen die Position glatt und er√∂ffnen zeitnah eine neue Position ohne verw√§sserte Hebelwirkung. Treibt man dieses Spiel √ľber viele Jahre, sollte ein mehr als netter Ertrag herauskommen, selbst wenn man bei zwischenzeitlichen Korrekturen ab und zu auch einmal auf dem falschen Fu√ü erwischt werden kann und mit einzelnen Transaktionen Verluste einf√§hrt.

Abwertungswettkampf bei Leitwährungen

Währungen sind nicht gleich Währungen, so dass es sinnvoll erscheint, eine Klassifizierung vorzunehmen. Unter Bedeutungsgesichtspunkten ganz vorn stehen dabei die oft als Weltleitwährungen bezeichneten Währungen, zu denen neben dem US-Dollar auch der Euro, das Britische Pfund, der Japanische Yen sowie der Schweizer Franken gehören. Mit leichten Abstrichen können zudem der Kanadische, der Australische und der Neuseeländische Dollar hinzugezählt werden. Die beiden erstgenannten Währungen werden noch unter dem Punkt Rohstoffwährungen näher betrachtet.

So unterschiedlich die L√§nder mit den klassischen Leitw√§hrungen in gewissen Punkten auch sein m√∂gen, in Sachen Zahlungsmittel haben sie eines gemeinsam: Allen L√§ndern ist an einer Abwertung der eigenen Valuta gegen√ľber den anderen W√§hrungen sowie an einer steigenden Inflation gelegen. Eine Abwertung sorgt daf√ľr, dass die im Inland produzierten Waren in anderen W√§hrungsr√§umen g√ľnstiger werden und sich somit besser verkaufen. Wie sehr exportorientierte L√§nder wie Japan oder die Schweiz unter der St√§rke der heimischen W√§hrung leiden, konnte man in den letzten Jahren immer wieder gut beobachten. Die Notenbanken haben nahezu alles versucht, um die eigene Valuta zu schw√§chen. Wirklich von Erfolg gekr√∂nt waren s√§mtliche Ma√ünahmen jedoch nicht, da die beiden W√§hrungen als typische sichere H√§fen gelten, die vor allem in den zur√ľckliegenden Monaten √ľberdurchschnittlich gefragt waren. In allerletzter Konsequenz besteht f√ľr die Notenbanken jedoch immer noch die Option, zus√§tzliches Geld zu drucken. Dadurch wird l√§ngerfristig zwar die Inflation angeheizt und der Wohlstand der B√ľrger schrittweise terminiert, aber das nehmen die Verantwortlichen in Kauf. Genau genommen ist die schleichende Geldentwertung sogar das, worauf man es abgesehen hat. Die Inflation ist bekanntlich der Feind des Gl√§ubigers und der Freund des Schuldners. Und derzeit gibt es auf der Erde wohl kaum jemanden, der mehr Schulden hat als die L√§nder, in denen mit den Weltleitw√§hrungen bezahlt wird. Richtet man sein Augenmerk beispielsweise auf den Schuldenstand der gro√üen Euro-Nationen, f√§llt auf, dass mittlerweile kein einziges Land mehr die 60-Prozent-H√∂chstmarke aus dem Maastricht-Vertrag einh√§lt. Laut den j√ľngsten Zahlen liegt die spanische Staatsverschuldung aktuell ebenfalls bei rund 70 Prozent. Auch Gro√übritannien, mit einer Staatsverschuldung von 80 Prozent der j√§hrlichen Wirtschaftsleistung, ist ebenfalls gedient. Das vor einigen Wochen geschn√ľrte Konjunkturpaket wird aller Voraussicht nach nicht dazu beitragen, dass der Schuldenberg geringer wird.

In anderen wichtigen Wirtschaftsr√§umen sieht es sogar noch schlimmer aus. In Japan hat die Staatsverschuldung k√ľrzlich erstmals die 200-Prozent-Marke, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, erreicht und in den USA liegt sie mittlerweile um die 100 Prozent. Einzig und allein die Schweiz scheint ihre Finanzen einigerma√üen im Griff zu haben. Im Alpenland liegt die Verschuldung erkennbar unter der Maastricht-Grenze.

Addiert man die gesamten Staatsschulden der L√§nder, in denen eine der Weltleitw√§hrungen offizielles Zahlungsmittel ist, kommt man schnell auf einen Betrag, der umgerechnet jenseits der Marke von 40 Billionen Dollar liegt. Dass derartige Schuldenberge auf regul√§re Art und Weise faktisch eigentlich nicht mehr zur√ľckbezahlt werden k√∂nnen, liegt auf der Hand. Und genau deshalb ist eine m√∂glichst hohe Inflation f√ľr Schuldnerstaaten zwingend erforderlich. Denn durch die schleichende Geldentwertung werden die Schulden zwar nominal nicht weniger, aber unter Ber√ľcksichtigung der Kaufkraft werden die Verbindlichkeiten ‚Äď relativ gesehen ‚Äď geringer. Von daher besteht f√ľr die betreffenden Staaten eine fast zwingende Notwendigkeit, einen regelrechten Abwertungswettkampf zu f√ľhren, wie er gegenw√§rtig stattfindet. Die Frage ist nur, wer diesen Abwertungswettkampf gewinnt. In den vergangenen Jahren waren die USA in dieser Disziplin klar f√ľhrend. Gegen√ľber nahezu allen anderen Weltleitw√§hrungen wertete der Greenback seit Anfang des dritten Jahrtausends kontinuierlich ab. In Bezug auf den Japanischen Yen und den Schweizer Franken ist diesbez√ľglich auch nicht mit einer nachhaltigen Trendwende zu rechnen. Anders sieht es im Verh√§ltnis Euro/US-Dollar aus. Bei diesem W√§hrungspaar muss ‚Äď sofern sich die recht d√ľsteren konjunkturellen Perspektiven bewahrheiten ‚Äď mit einer weiteren Aufwertung der US-Valuta gegen die Gemeinschaftsw√§hrung gerechnet werden, weil der US-Dollar aus nur schwer nachvollziehbaren Gr√ľnden unter Anlegern unver√§ndert als sicherer Hafen gilt. Hinzu kommt, dass die Europ√§ische Zentralbank trotz gegenteiliger Beteuerungen auch k√ľnftig Anleihen von Krisenl√§ndern erwerben muss. Bezahlt werden diese mit frisch gedrucktem Geld. Die amerikanische FED agiert bereits seit Jahren in dieser Weise, aber die EZB hat sich bislang immer vehement gegen solche Markteingriffe gewehrt. Umso allergischer reagieren die Marktteilnehmer nun nat√ľrlich auf die Kehrtwende. Dies ist der Hauptgrund, warum der Euro gegen den Greenback zuletzt derart deutlich unter die R√§der geriet und Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.

F√ľr Anleger mit einer stark unterdurchschnittlich ausgepr√§gten Risikoneigung, die von einem festen Dollar in Euro ausgehen, bietet sich das USD/EUR-Kapitalschutzzertifikat der Deutschen Bank an (WKN DB4BZL). Einziger Nachteil: Das Zertifikat hat nur noch eine Laufzeit bis zum 04.05.2012. Sofern der Greenback also nicht zeitnah zur ultimativen Mega-Aufwertungsrallye gegen√ľber der Gemeinschaftsw√§hrung ansetzt, h√§lt sich das Gewinnpotenzial in Grenzen. Daran √§ndert auch die 130-prozentige Partizipationsrate nichts, die dem Grunde nach einer Hebelwirkung von 1,3 entspricht. Dennoch: Sollte der Euro seine starke Unterst√ľtzung bei 1,20 Dollar zumindest testen, entspr√§che dies einem Kursplus beim W√§hrungspaar USD/EUR von etwa 6,35 Prozent. Unter Ber√ľcksichtigung der angesprochenen Partizipationsrate errechnet sich eine Gesamtrendite von knapp 8,3 Prozent. F√ľr einen Anlagezeitraum von nur einigen Monaten und vor dem Hintergrund, dass es sich um ein Garantie-Zertifikat handelt, stellt dies zwar keine sensationelle, aber doch vern√ľnftige Rendite dar.

Investoren mit mehr Lust auf Risiko m√ľssten eigentlich zu einem Turbo-Long-Zertifikat auf USD/EUR greifen. Leider ist die Auswahl an solchen Zertifikaten sehr gering, so dass es sinnvoller erscheint, die Marktmeinung eines steigenden Dollars gegen√ľber dem Euro √ľber ein Turbo-Short-Zertifikat auf EUR/USD zu handeln. Ein R√ľckgang der Gemeinschaftsw√§hrung auf 1,20 US-Dollar w√ľrde einer Bewegung im Underlying von rund sechs Prozent entsprechen. Um diese in einen anst√§ndigen monet√§ren Gewinn umzum√ľnzen, bietet sich unter anderem das Turbo-Short-Zertifikat auf EUR/USD von HSCB Trinkaus mit der WKN TB73E5 an. Bei einem Basispreis von 1,4086 Dollar, der gleichzeitig auch als Knock-out-Schwelle fungiert, errechnet sich bei dem Open-End-Produkt eine Hebelwirkung von knapp 9,3. Wird der Support bei 1,20 Dollar also tats√§chlich in Angriff genommen, l√§ge die Rendite bei √ľber 50 Prozent. Der Spread ist mit nur drei Cents (knapp 0,3 Prozent) v√∂llig akzeptabel. Wer beim Spread einen Cent sparen m√∂chte, kann sich das Konkurrenz-Produkt der DZ Bank (WKN DZ7G28) ansehen. Diese Scheine weisen bei einem Basispreis (= Knock-out-Schwelle) bei 1,4135 Dollar einen Leverage-Effekt von ebenfalls ann√§hernd 9,3 auf. Allerdings ist die Laufzeit bis zum 25.07.2012 begrenzt, was jedoch nicht weiter schlimm ist. Denn man kann danach gleich eine neue Short-Postion aufbauen, die dann auch wieder √ľber eine h√∂here Hebelwirkung verf√ľgt. Insofern bietet sich der DZ-Schein eher f√ľr aktive Trader an, das HSBC-Zertifikat ist eher etwas f√ľr Anleger, die sich nicht st√§ndig um ihre Investments k√ľmmern und diese einfach auch einmal √ľber ein oder zwei Jahre laufen lassen m√∂chten.

Tendenziell Abstand nehmen sollten Trader von den W√§hrungspaaren EUR/JPY und EUR/CHF. Obwohl die japanische Valuta unter fundamentalen Aspekten ma√ülos √ľberbewertet erscheint, k√∂nnten der besondere Nationalstolz und die Heimatverbundenheit der Japaner daf√ľr sorgen, dass der Yen trotz Schuldenkrise und wirtschaftlichen Problemen in der drittgr√∂√üten Volkswirtschaft der Erde gegen den Euro nicht nennenswert abwertet. Und der Schweizer Franken ist unter den Weltleitw√§hrungen ohnehin das Zahlungsmittel, bei dem eine Abwertung am unwahrscheinlichsten ist. In Bezug auf das W√§hrungspaar EUR/GBP l√§sst sich momentan noch schwer absch√§tzen, welche W√§hrung den Abwertungswettkampf gewinnt, so dass sich Investments in diesem Underlying ebenfalls nicht gerade aufdr√§ngen.

Wer sich vor der Cross-Rate-Problematik nicht scheut, kann sein Gl√ľck auch mit einem Turbo-Long-Engagement auf den Wechselkurs zwischen CHF/GBP versuchen. Ungeachtet der j√ľngsten scharfen Korrektur ist der Aufw√§rtstrend noch intakt, so dass sich die R√ľcksetzer l√§ngerfristig als gute und vielversprechende Einstiegsgelegenheit entpuppen k√∂nnten. Schlie√ülich sind die Schweizer Staatsfinanzen doch ungleich solider als die britischen. F√ľr diese Trading-Idee bietet der Markt lediglich ein passendes Produkt an. Dabei handelt es sich um den Schein der RBS mit der WKN AA1L2H. Basispreis und Knock-out-Schwelle sind mit 0,5350 respektive 0,5460 Britische Pfund weit genug vom aktuellen Kurs entfernt, dass ein wertloser Verfall der Scheine nicht sonderlich wahrscheinlich ist. Das Produkt ohne Laufzeitbegrenzung weist eine Hebelwirkung von vergleichsweise bescheidenen 4,7 auf. Dennoch: Sollte der Schweizer Franken in Britischen Pfund sich wieder zu seinen alten Hochs aufmachen, k√§me ein mehr als sch√∂ner Gesamtgewinn heraus. Aber Vorsicht: Zur Stunde ist charttechnisch noch keine Bodenbildung erkennbar, so dass f√ľr diesen Trade ‚Äď unabh√§ngig von der Cross-Rate-Problematik f√ľr in Euro denkende Investoren ‚Äď schon ein hohes Ma√ü an Risikobereitschaft vonn√∂ten ist.

Vorsicht bei Rohstoff-Währungen

Abgesehen von den Weltleitw√§hrungen gibt es W√§hrungen, die sich als Rohstoff-W√§hrungen bezeichnen lassen, und speziell bei diesen sollten Anleger eher Abwertungs- als Aufwertungsrunden einkalkulieren. Hierzu geh√∂ren neben etablierten Valuten wie dem Kanadischen und Australischen Dollar vor allem Schwellenl√§nder-W√§hrungen wie unter anderem der Brasilianische Real, der S√ľdafrikanische Rand oder der Russische Rubel ‚Äď um nur einige zu nennen. Im Zuge der seit nunmehr rund einer Dekade laufenden Rohstoff-Hausse konnten die betreffenden W√§hrungen zum Teil sogar sehr deutlich aufwerten. Hintergrund: Durch die steigenden Notierungen bei vielen Sch√§tzen von Mutter Natur lie√ü sich mit der F√∂rderung und/oder dem Anbau von Rohwaren gutes Geld verdienen. Die Folge waren ein √ľberproportionales Wirtschaftswachstum sowie eine vergleichsweise solide Situation im Hinblick auf die Staatsfinanzen. Und genau das ist der Stoff, aus dem W√§hrungsaufwertungen gemacht sind. Dummerweise kann sich die Rohstofflastigkeit einer Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren ein Segen war, im Handumdrehen in einen Fluch verwandeln. Denn Rohstoffe geh√∂ren zu den konjunktursensitivsten Asset-Klassen √ľberhaupt. Prim√§r betrifft das die Bereiche Metalle und Energie, aber auch Genussmittel wie Kaffee, Kakao, Fleisch oder Orangensaft weisen eine nicht unerhebliche Abh√§ngigkeit von einer florierenden Volkswirtschaft ab. Und zumindest in den kommenden Monaten sollten Anleger nicht von einem allzu st√ľrmischen Wirtschaftswachstum rund um den Globus ausgehen, so dass die Nachfrage nach Metallen und Energietr√§gern tendenziell sinken k√∂nnte. Da in den abgelaufenen Jahren gleichzeitig zus√§tzliche Produktionskapazit√§ten aufgebaut wurden, muss damit gerechnet werden, dass das drohende √úberangebot in vielen Bereichen √ľber den Preis wieder ins Gleichgewicht gebracht wird. Volkswirtschaften wie die kanadische oder die australische k√∂nnen potenzielle Einnahmeeinbu√üen noch relativ leicht durch h√∂here Ertr√§ge in anderen Segmenten kompensieren, da es sich bei den beiden Staaten um wirtschaftlich vollst√§ndig entwickelte Industrienationen handelt. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch die ‚Äěkleinen‚Äú Dollars (Aussie- und Kiwi-Dollar) ihre H√∂chstst√§nde gegen√ľber dem Greenback gesehen haben. Da die beiden erw√§hnten Staaten allerdings unter Verschuldungsaspekten unverkennbar besser dastehen als die USA, sollte sich das Abwertungspotenzial des Australischen und des Neuseel√§ndischen Dollars gegen den US-Dollar in Grenzen halten.

Anders sieht es bei den Rohstoff-W√§hrungen aus Schwellenl√§ndern aus. Bei diesen droht im Fall stark fallender Rohwaren-Notierungen eine ausgemachte Wirtschaftskrise, die in letzter Konsequenz die inl√§ndische Valuta belasten d√ľrfte. In Anbetracht der Tatsache, dass die Preise f√ľr Metall- und Energie-Rohstoffe bereits seit Sommer vergangenen Jahres unter Abgabedruck stehen, ist es daher keine gro√üe √úberraschung, dass die angesprochenen Rohstoff-W√§hrungen aus Schwellenl√§ndern zuletzt erkennbar gegen den US-Dollar und im Besonderen gegen den Schweizer Franken abwerteten. Wenigstens auf Sicht von sechs bis zw√∂lf Monaten d√ľrfte sich dieser grunds√§tzliche Trend fortsetzen. Am sinnvollsten w√§re es nat√ľrlich, auf eine Aufwertung des soliden Schweizer Franken gegen den Brasilianischen Real, den S√ľdafrikanischen Rand oder den Russischen Rubel zu spekulieren. Ungl√ľcklicherweise gibt es auf diese W√§hrungspaare keine vern√ľnftigen Derivate. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Angebotsmangel am Derivate-Himmel auch auf die W√§hrungspaare USD/RUB, USD/ZAR und USD/BRL erstreckt. Somit k√∂nnen Anleger eigentlich nur auf Grundlage des Euros gegen die Rohstoff-W√§hrungen aus den rohstofforientierten Emerging Markets setzen. Das mag zwar angesichts der Probleme, mit denen die Gemeinschaftsw√§hrung derzeit zu k√§mpfen hat, eventuell nicht ganz optimal sein, da auch der Euro dem Grunde nach ein betr√§chtliches Abw√§rtspotenzial besitzt. Dies gilt jedoch prim√§r im Vergleich zu anderen Weltleitw√§hrungen. Sollten das globale Wirtschaftswachstum am Ende vielleicht sogar noch geringer ausfallen, als momentan bef√ľrchtet, und ausgew√§hlte europ√§ische L√§nder sogar zeitweilig in die Rezession fallen, werden die Rohstoffpreise derart stark einbrechen, dass die entsprechenden Schwellenl√§nder-W√§hrungen erkennbarer abwerten als die Gemeinschaftsw√§hrung.

Aber welche W√§hrung der drei gro√üen Rohstoff-Schwellenl√§nder hat gegen√ľber dem Euro das gr√∂√üte Abwertungspotenzial? Relativ stabil halten k√∂nnte sich der Russische Rubel. Nach dem freien Fall der russischen Valuta im Zusammenhang mit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 von etwa 35 auf in der Spitze 45 Rubel f√ľr einen Euro, hat sich die russische W√§hrung zuletzt wieder stabilisiert. Und daf√ľr gibt es gute Gr√ľnde: Obgleich Russland auch √ľber unz√§hlige Metallvorkommen unterschiedlichster Arten verf√ľgt, ist das Land vor allem f√ľr seine fast unvorstellbar gro√üen Mengen an Energie-Rohstoffen bekannt, die sich selbst in den anstehenden wirtschaftlich schwierigen Zeiten besser halten sollten als viele (Industrie-) Metalle. So scheint der √Ėlpreis mittlerweile ein Niveau erreicht zu haben, von welchem aus sich das k√ľnftige Abw√§rtspotenzial in Grenzen halten d√ľrfte. Gleiches gilt f√ľr die Erdgaspreise, obwohl die New Yorker Notierungen auf die Preise f√ľr russisches Erdgas lediglich m√§√üige Auswirkungen haben. Durch langfristige Liefervertr√§ge sind die Erdgaspreise an die Entwicklung der Notierungen des schwarzen Goldes gekoppelt. Insgesamt ist daher die Annahme vertretbar, dass der Russische Rubel das geringste Abwertungspotenzial gegen√ľber dem Euro hat. Etwas anders stellt sich die Lage beim Brasilianischen Real dar: Zwar verf√ľgt auch das Land am Zuckerhut √ľber betr√§chtliche √Ėlvorkommen ‚Äď insbesondere vor der K√ľste. Gr√∂√ütenteils wird der gef√∂rderte Schmierstoff der Weltwirtschaft im Land selbst verbraucht und ist nicht f√ľr den Export bestimmt. Nicht zuletzt deshalb geh√∂rt Brasilien zu den L√§ndern, die ihren √Ėlverbrauch komplett durch eigene Vorkommen decken und damit auf Einfuhren verzichten k√∂nnen. Daf√ľr sitzen die Brasilianer auf gigantischen Metallvorkommen. In erster Linie finden sich in dem Land riesige Eisenerz-Lagerst√§tten, aber auch nahezu alle anderen Metalle schlummern im brasilianischen Erdreich. Da dieser Bereich erfahrungsgem√§√ü in wirtschaftlichen Schw√§chephasen mit am heftigsten unter die R√§der ger√§t, sollten Anleger in Bezug auf die k√ľnftige √∂konomische Entwicklung im Samba-Staat nicht zu optimistisch sein. Dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird, belegten die unl√§ngst wenig √ľberzeugenden volkswirtschaftlichen Daten. Auf der anderen Seite geh√∂rt Brasilien zu den bedeutendsten Agrarnationen. Genau genommen gibt es kaum g√§ngige Nahrungs- und Genussmittel, die in dem Land nicht produziert werden. Dieser Umstand sollte die brasilianische Wirtschaft und damit schlussendlich auch den Real stabilisieren. Gegessen wird immer.

Am aussichtsreichsten erscheint mithin eine Spekulation auf eine Aufwertung des Euros gegen den S√ľdafrikanischen Rand. Schlie√ülich ist der Abbau von (Edel-) Metallen das traditionelle R√ľckgrat der s√ľdafrikanischen Wirtschaft. Und nachdem Gold und Co. jahrelang fast nur den Weg nach oben kannten, ist der Bullenmarkt unl√§ngst erkennbar ins Stocken geraten und nicht einmal ein Ende der Super-Hausse kann gegenw√§rtig ausgeschlossen werden. Aber selbst wenn es dazu nicht kommen sollte, wird es f√ľr S√ľdafrika in Zukunft immer schwieriger werden, die Rentabilit√§t bei der Metallf√∂rderung aufrecht zu erhalten. Bereits zu den momentan immer noch ansehnlichen Kursen haben viele Minenbetreiber im Staat am Kap Schwierigkeiten, Gewinne zu erwirtschaften, da die erdnahen Vorkommen nahezu vollst√§ndig ausgebeutet sind und sich die noch vorhandenen Reserven in gro√üer Tiefe befinden. Das verteuert den Abbau erheblich. Auch hat S√ľdafrika ‚Äď anders als andere L√§nder ‚Äď die jahrelang sprudelnden Einnahmen aus Metallverk√§ufen nur eingeschr√§nkt zum Auf- und/oder Ausbau alternativer Wirtschaftszweige genutzt, so dass die Abh√§ngigkeit von diesem Sektor nicht nennenswert verringert werden konnte. Insgesamt k√∂nnten auf die s√ľdafrikanische Volkswirtschaft und somit auch auf den Rand schwere Zeiten zukommen.

Auch wenn sich der Euro in S√ľdafrikanischen Rand seit Anfang letzten Jahres in einem intakten Aufw√§rtstrend bewegt, geh√∂rt gegenw√§rtig unzweifelhaft eine gewisse Portion Mut dazu, um auf eine weitere Aufwertung des Euros gegen die s√ľdafrikanische Valuta zu wetten. Denn die j√ľngste Schw√§chephase des Euros hatte auch zur Folge, dass der S√ľdafrikanische Rand in den vergangenen Wochen von 11,50 auf aktuell knapp unter 10,50 Rand f√ľr einen Euro aufwertete. Anleger, die sich davon nicht irritieren lassen, finden eine Vielzahl von Turbo-Long-Produkten auf EUR/ZAR. F√ľr eher aggressive Trader bietet sich beispielsweise das Zertifikat der DZ Bank mit der WKN DZ5JV9 an. Ein Basispreis sowie eine Knock-out-Schwelle bei 9,54 S√ľdafrikanischen Rand verleiht den Scheinen ohne Laufzeitbegrenzung eine Hebelwirkung von 11,65. Angesichts dieses recht hohen Leverage lassen sich mit dem Zertifikat selbst bei einer nur √ľberschaubaren Aufwertung der Gemeinschaftsw√§hrung gegen den Rand durchaus ansehnliche Gewinne erzielen. Wer die Angelegenheit lieber etwas defensiver angehen m√∂chte, kann zum Turbo-Long-Zertifikat auf EUR/ZAR der Deutschen Bank (WKN DE6S7K) greifen. Auch diese Scheine haben keinen Verfallstermin und hebeln die Entwicklung des W√§hrungspaars mit dem Faktor 6,17. Dass die Knock-out-Schwelle bei 8,77 S√ľdafrikanischen Rand (Basispreis 8,73 Rand) unterschritten wird, erscheint bei den gegenw√§rtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Kap-Staat nicht sonderlich wahrscheinlich.

Chinesischer Yuan mit Aufwärtspotenzial

Neben den Weltleitw√§hrungen und den Rohstoff-W√§hrungen kann man die weltweiten Zahlungsmittel noch in eine dritte Gruppe unterteilen. Diese umfasst W√§hrungen aus stark wachsenden Schwellenl√§ndern, deren Wirtschaft nicht oder kaum auf die Produktion und den Verkauf von Rohwaren ausgerichtet ist. Dazu z√§hlen neben dem S√ľdkoreanischen Won und dem Singapur-Dollar unter anderem auch die Indische Rupie und insbesondere der chinesische Yuan (Renminbi). W√§hrend sich das Aufwertungspotenzial im Vergleich zum Euro beim Won, dem Singapur-Dollar oder dem Thail√§ndischen Bath (um nur einige zu nennen) wegen der sich auch in diesen L√§ndern abzeichnenden Wachstumsschw√§che in Grenzen halten sollte, k√∂nnte sich im Speziellen der Yuan langfristig zu einer neuen Weltleitw√§hrung entwickeln. In Bezug auf die indische Rupie sollte man diesbez√ľglich nicht so optimistisch sein, da Indien zwar unver√§ndert ein stark √ľberdurchschnittliches Wirtschaftswachstum aufweist, aber gleichzeitig mit einer ausufernden Inflation zu k√§mpfen hat. Diese k√∂nnte die Lust ausl√§ndischer Investoren, auf die indische Valuta zu setzen, erheblich bremsen. Ganz anders stellt sich die Situation im Reich der Mitte dar. In Anbetracht der ebenfalls au√üergew√∂hnlich dynamischen wirtschaftlichen Wachstumsdynamik hat zwar auch China mit einer relativ hohen schleichenden Geldentwertung zu k√§mpfen, jedoch liegt sie unterhalb des Wirtschaftswachstums. Mit einer Teuerungsrate von zuletzt 5,4 Prozent war die Inflation nur gut halb so hoch wie das Wirtschaftswachstum (9,7 Prozent).

Der zweite Aspekt, der neben dem st√ľrmischen Wachstum f√ľr eine tendenzielle Aufwertung des Yuan spricht, ist die mehr als komfortable Lage der chinesischen Staatsfinanzen. Anders als in den potenziellen Pleitestaaten sind Schulden im Reich der Mitte fast schon ein Fremdwort. Statt Verbindlichkeiten hat das kommunistische Regime in den zur√ľckliegenden Jahren n√§mlich massive Devisenreserven aufgebaut. Anfang 2008 verf√ľgten die Chinesen noch √ľber Devisenreserven von rund 1,6 Billionen Dollar. Vor kurzem wurde schon die Drei-Billionen-Marke √ľberschritten.

Bedenkt man in diesem Zusammenhang, dass sich die chinesischen Devisenreserven seit 1999 rund verzwanzigfacht haben, wohingehend die Devisenreserven der USA und Europas stagnierten oder sogar leicht zur√ľckgingen, zeigt dies √ľberdeutlich, dass das Reich der Mitte monet√§r fast schon in einer v√∂llig anderen Liga spielt. √úber kurz oder lang wird angesichts dieser Rahmenbedingungen kaum ein Weg an einer Aufwertung des Yuans gegen√ľber den heute noch als Weltleitw√§hrungen bezeichneten Zahlungsmitteln vorbeif√ľhren. Bisher hatte das Land seine W√§hrung k√ľnstlich niedrig gehalten, um die eigene Export-Wirtschaft zu st√§rken. Nach massiver Kritik, insbesondere aus den USA, ist Peking in dieser Angelegenheit schon vor einiger Zeit zur√ľckgerudert und hat die feste Koppelung des Yuans an den US-Dollar aufgegeben. Seither kann die chinesische Valuta frei floaten und wertete folgerichtig bereits erkennbar auf. Mussten Anfang 2008 f√ľr einen Euro noch rund elf Yuan auf den B√∂rsentresen gelegt werden, sind es aktuell nur noch gut acht Yuan. Insgesamt befindet sich die Gemeinschaftsw√§hrung gegen die chinesische Valuta seit nunmehr rund vier Jahren in einem lupenreinen Abw√§rtstrend, der sich nach dem Bruch der wichtigen Unterst√ľtzung bei etwa 8,15 Yuan fortsetzen sollte.

Um an dieser recht wahrscheinlichen Entwicklung zu partizipieren, m√ľssen Investoren zu den guten alten Optionsscheinen greifen, die nach dem Hebelzertifikate-Boom der letzten Jahre fast schon in Vergessenheit geraten sind. Geeignet sind in diesem Zusammenhang vor allem Put-Optionsscheine auf den Wechselkurs EUR/CNY. Investoren mit einem etwas l√§ngeren Anlagehorizont d√ľrften mit dem Schein der Deutschen Bank (WKN DE6RQA) gut bedient sein. Bei einem Basispreis von 8,40 Yuan notiert der Schein mit einer Laufzeit bis zum 18.12.2012 im Geld, was bei Optionsscheinen ein nicht zu untersch√§tzender Vorteil ist. Ergibt sich der Preis eines Optionsscheins n√§mlich ausschlie√ülich aus dem Zeitwert, sorgen die ber√ľhmt-ber√ľchtigten Griechen (Kennzahlen wie Delta, Omega, Theta) nicht selten f√ľr Taxen, die f√ľr Anleger nur schwerlich nachvollziehbar sind. Weiterer Pluspunkt: Bei einer Hebelwirkung von √ľber zw√∂lf reichen bereits kleinere Abwertungsrunden zulasten des Euros, um ansehnliche Gewinne zu erzielen. Zwar h√§tte der Spread mit knapp 2,3 Prozent sicherlich etwas kleiner ausfallen k√∂nnen. Angesichts fehlender Konkurrenzprodukte und des Umstands, dass die erforderlichen Absicherungsgesch√§fte nicht ganz einfach sind, ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufkursen aber noch akzeptabel.

Wer es eher auf den schnellen Euro abgesehen hat, kann sich den Kauf des ebenfalls von der Deutschen Bank stammenden Put-Optionsscheins auf EUR/CNY mit der WKN DE6RNR √ľberlegen. Bei einem identischen Basispreis wie dem oben genannten Put und einer Laufzeit bis zum 16.06.2012 errechnet sich eine Hebelwirkung von √ľber 16. Beide Optionsscheine k√∂nnen an jedem Tag w√§hrend der Laufzeit ausge√ľbt werden (amerikanische Variante).

Autor: Marc Nitzsche

Dieser Artikel ist erschienen im !DERIVATE MAGAZIN Ausgabe 01I2012. Das ! DERIVATE MAGAZIN erhalten Sie quartalsweise an ausgew√§hlten Zeitungskiosken f√ľr 10 Euro / Ausgabe . Bequemer ist der Bezug per Abonnement. Gehen Sie hierf√ľr auf unsere Webseite: www.derivate-online.de

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