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Spread-Trading

Grundlagen Trading

[Traders' Mag - Noble DraKoln] - Das Umfeld fĂŒr Futures wird heute zunehmend von den Nachrichten beeinflusst. Von Explosionen in Raffinerien, die den Ölpreis durch die Decke treiben, bis hin zu GerĂŒchten ĂŒber eine Zinserhöhung um 50 Basispunkte beim nĂ€chsten Meeting durch das Federal Reserve Board anstelle von 25 „gemĂ€ĂŸigten“ Basispunkten, wie es in der Vergangenheit gemacht wurde.
Solche und viele Àhnliche Ereignisse haben scharfe AusschlÀge bei der VolatilitÀt in vielen Futures-MÀrkten verursacht. Eine VolatilitÀt, die der durchschnittliche Anleger nicht ertragen kann.

Bei steigender VolatilitÀt passieren drei Dinge mit einem Futures-Kontrakt. Erstens, die Margin, richtiges Geld, steigt, um den Kontrakthalten zu können. Weil zum Beispiel die VolatilitÀt im Sojabohnen-Markt gestiegen ist, wurde der Einschuss von ein paar hundert Dollarvor wenigen Jahren auf heute $2 565 pro Kontrakt angehoben.
Zweitens, starke VolatilitĂ€t bedeutet große AusschlĂ€ge in der Marktbewegung,die KurslĂŒcken zur Eröffnung zur Folge haben. Drittens wird es schwieriger, Stopps und Limits zum Schutz der Positionen einzusetzen.

Weil der Wert des durchschnittlichen Futures-Trading-Kontos auf $25 000 oder weniger zu schĂ€tzen ist, kann jedes dieser Probleme, höhere Margins, AufwĂ€rts- oder AbwĂ€rts-Gaps und unzuverlĂ€ssige Money-Management-AnsĂ€tze, es schwierig oder unmöglich machen, das GefĂŒhl der Kontrolle ĂŒber das Trading zu behalten. Es gibt eine Lösung: Spread-Trading.

Spread-Traden ist nichts Einzigartiges. Das gibt es so lange wie die Futures. Im 19. Jahrhundert waren die MĂ€rkte sogar noch volatiler als heute – schlechte Kommunikation, GerĂŒchte und Marktmanipulationen waren an der Tagesordnung. Die Farmer mussten sich schĂŒtzen, und Spread-Trading war fĂŒr sie die Taktik, mit der sie sich den Kopf von den Tagesschwankungen der MĂ€rkte freihielten, wĂ€h-
rend sie ihrer eigentlichen Arbeit nachgingen und an die kommende Ernte und die ÜberhĂ€nge aus der alten Ernte dachten.

Spread-Arten

Auf www.riskglossary.com wird Spread-Trading definiert als „eine Longshort-Futures-Position, die als Risiko die Spread-Differenz zwischen zwei Preisen hat“.

Spread-Trading kann einer der folgenden drei Kategorien angehören:
in einer Ware, zwischen Waren und zwischen Börsen (intracommodity, intercommodity, interexchange).

Ein Intracommodity-Spread (oder Kalender-Spread) wird definiert als long in einem Future und short in einem anderen. Beide haben dasselbe Underlying, aber mit verschiedenen FĂ€lligkeiten. Wenn man beispielsweise Sojabohnen handelt, gibt es mehrere Liefermonate, und man will die Preisdifferenz zwischen dem Monat der alten und der neuen Ernte handeln.

Ein Intercommodity-Spread wird definiert als Long-Short-Position in Futures auf verschiedene Underlyings. Üblicherweise haben beide den gleichen FĂ€lligkeitsmonat. Diese Spread-Art kann unterschiedliche Formen haben. Entweder handelt man zwei Ă€hnliche MĂ€rkte, Weizen gegen Mais oder Lebendvieh gegen Fleisch, oder man kann eine Ware gegen ihre Nebenprodukte handeln wie Öl gegen Gas und Benzin (bekannt als Crack-Spread).

Ein Interexchange-Spread wird definiert als eine Long-Short-Position auf dasselbe Underlying, um entweder Arbitrage-Gewinne zu machen oder auf den Preis-Spread zwischen zwei verschiedenen Lieferorten zu setzen. Ein typisches Beispiel dafĂŒr ist, die Differenz zwischen Weizen des Chicago Board of Trade und Weizen des Kansas City
Board of Trade zu handeln.

Vorteile

Ganz gleich, welche Art Spread Sie traden, alle haben drei Hauptvorteile gegenĂŒber dem Eingehen einer einfachen Long- oder Short-Futures- Position.

Der erste wesentliche Vorteil ist ein geringerer Margin-Aufwand. Im Futures-Handel gibt es zwei Hauptgruppen an Akteuren: Spekulanten und Hedger.

Spekulanten werden definiert als diejenigen, die eine Position in Finanzinstrumenten und anderen Anlagen mit der Absicht eingehen, Gewinn aus einer WertverÀnderung zu ziehen (nach de.wikipedia.org).
Hedging wird definiert als eine Strategie, meist in Form einer Transaktion, die darauf angelegt ist, ein ungewolltes GeschÀftsrisiko zu reduzieren (nach de.wikipedia.org).

Wenn man einen Spread-Trade eingeht, sowohl long wie short, ist man aus Sicht der Börse jemand, der „das einem ungewollten GeschĂ€ftsrisiko Ausgesetztsein reduzieren will“, so dass die Position eher als Hedge behandelt wird, wodurch die Margin-Anforderungen geringer sind.

Weil dagegen Spekulanten als Leute gesehen werden, die aggressiv nach Gewinn streben, sind die Margin-Anforderungen fĂŒr sie am höchsten. Einen Treasury-Bond zu traden, erfordert $2 700 Margin.
Wenn er als Spread getradet wird, sind es nur noch $300. Die Margin- Anforderung ist neunmal geringer. Das ist ein erheblicher Unterschied hinsichtlich des gebundenen Kapitals.

Der zweite wesentliche Vorteil ist der geringere Zeitaufwand. Angesichts des hohen VolatilitĂ€ts-Niveaus bei Futures, wird es fĂŒr Investoren mehr und mehr klar, dass Trading ein Fulltime-Job ist. Wenn Sie bei Bekanntwerden einer Nachricht nicht anwesend sind, oder wenn Sie nicht in der Lage sind, die MĂ€rkte zu ihren speziellen Hauptzeiten
zu handeln, können Sie auch gleich das Handtuch werfen.

Spread Trading versetzt Sie in die Lage, Teil des Geschehens zu sein, ohne stĂ€ndig am Bildschirm anwesend sein zu mĂŒssen. Dadurch, dass Sie eine zweite „gegenĂŒber liegende“ Seite zu Ihrem Trade haben, können Sie entsprechend Ihrer technischen Analyse in einem lĂ€ngeren Zeitrahmen an Ihrem Trade festhalten, ohne der Notwendigkeit
zu unterliegen, jede kleine Nachricht am Monitor verfolgen und handeln zu mĂŒssen.

Das bringt uns zum dritten wesentlichen Vorteil: Money Management.
Der Spielraum fĂŒr Fehler bei direkten Futures-Positionen ist angesichts der heutigen hohen VolatilitĂ€t sehr gering. Wenn Sie auf der falschen Seite sind, kann der Markt selbst bei einem eingegebenen Stopp-Loss eine plötzliche Spitze entgegen Ihrer Positionierung bilden, eine Limit-Bewegung machen oder eine LĂŒcke entstehen lassen.

Spread-Trading gibt Ihnen durch die Einnahme einer Gegenposition die Möglichkeit, solche Limitbewegungen oder LĂŒcken zu kompensieren. Es muss Sie nicht kĂŒmmern, dass der Markt auf Ihre
Stopps zulaufen könnte, nur um gleich danach die Bewegung in Ihre
Richtung wieder aufzunehmen. Die Notwendigkeit, durch die Suche
nach Böden und Topps Markt-Timing zu betreiben, wird geringer, und
Aufmerksamkeit bei der Verlustminimierung durch gesundes Money
Management entwickelt sich zur Hauptsache.

Intracommodity-Spread-Trading

Dieser Artikel konzentriert sich auf Intracommodity-Spread-Trading, das auch „Kalender-Spread-Trading“ genannt wird. Von den drei Arten des Spread-Tradings ist dieses am einfachsten zu verstehen und zu ĂŒberwachen. Im Futures-Trading gibt es hinsichtlich der Preise eine einfache Regel. Sie besagt, dass ferne Monate teurer sind als nahe.
DafĂŒr gibt es den Begriff „Contango“. Der Grund ist die Einrechnung von Lagerkosten, Zinsen, Versicherung und anderen Kosten. Mit der immer weiteren Entfernung der Monate wird davon ausgegangen, dass die Kosten fĂŒr Ware oder Futures fĂŒr den lĂ€ngeren Zeitraum immer höher werden.

Wenn ein Markt nicht in Contango ist, bedeutet das eine einschneidende Verschiebung bei Angebot und/oder Nachfrage. Dies wird als „Backwardation“ bezeichnet. Backwardation wird definiert als eine „Marktsituation, in der die Futures-Preise der ferneren Monate stufenweise niedriger liegen“. Es ist zwar ein ausgefallenes Wort, aber der Zustand ist leicht zu erkennen. Die nahen FĂ€lligkeitsmonate sind teurer als fernere Monate.

Beim Traden von Kalender-Spreads können Sie sich allein bei der Fokussierung auf Situationen, in denen ein Markt von Contango auf Backwardation und umgekehrt wechselt, mehr als genug Handelsgelegenheiten verschaffen.

Wir wollen einen Blick auf zwei „Backwardation“-Gelegenheiten werfen. Die erste ist Rohöl. In Bild 1, der Futuresource-Website entnommen, liegt der Preis fĂŒr Rohöl zwischen Juli 2005 und November 2005 im Bereich von $56. Von Dezember 2005 bis April 2006 liegen die Preise im Bereich von $55. Und im Mai und Juni 2006 ist das Preisniveau
zurĂŒck im $54-Bereich, Ă€hnlich der Quotierung im Mai 2005.

Das ist ein klassisches Beispiel fĂŒr einen Backwardation-Markt. Da die Preise in den Frontmonaten eigentlich niedriger sein sollten und in den spĂ€teren Monaten höher, suchen wir nach einem ausreichend großen Preis-MissverhĂ€ltnis, um von einem enger werdenden Spread profitieren zu können. Das wird auch als den Spread „verkaufen“ bezeichnet.

Wir haben vor, den nÀheren FÀlligkeitsmonat zu verkaufen und den ferneren Monat zu kaufen. Im vorliegenden Fall konzentrieren wir uns auf die 25-Cent-Differenz zwischen September 2005 (CLU05), Bild 2, und November 2005 (CLX05), Bild 3.

Weil wir den Frontmonat verkaufen wollen, mĂŒssen wir sehen, was er gerade macht: ist er nahe an einem Extrem, wie viel Schwung hat die Bewegung und schließlich, wo könnte er hingehen. Um das festzustellen, ist der Chart mit Bollinger Bands, RSI, Volumen/Open Interest und Fibonacci-Retracement-Bereichen unterlegt.

Wenn wir die Charts der jĂŒngsten Vergangenheit beider Kontrakte ĂŒbereinander legen, d. h. September und November Rohöl, Bild 4, sehen wir, dass September mehrfach nahe an den Novemberstand gedrĂŒckt wurde. Bei dem scharfen Abstieg erreichten sie sogar Gleichstand. Jeder, der am Anfang des Abstiegs einen Sell-Spread eingegangen
wÀre, hÀtte eine Belohnung erhalten.

In den Sojabohnen-Charts können wir das gleiche beobachten.
In Bild 5 ist zu sehen, dass die nahen FĂ€lligkeitsmonate teurer sind als die fernen. Die grĂ¶ĂŸte Preisdiskrepanz besteht zwischen August 2005, Bild 6, und September 2005, Bild 7. Der Unterschied ist 16 Cents zwischen den beiden. Wiederum wollen wir die Frontmonate verkaufen und benutzen Tools, die uns dabei helfen, unser Timing zu bestĂ€tigen.

Bei einem Blick auf den Tages-Chart der beiden MĂ€rkte, Bild 8, sehen wir den Grad der Übertreibung von August gegenĂŒber September.
Im August gibt es sehr hohe Hochs und tiefe Tiefs, was einen starken Kontrast zu September darstellt. Im September-Chart gibt es keine markanten Extreme im Vergleich zu August. Das ist ein klassisches Beispiel fĂŒr einen Markt, der darum kĂ€mpft, vom Backwardationzum Contango-Zustand zurĂŒckzukehren.

Diese beiden MĂ€rkte haben uns einen kleinen Einblick gegeben, wie man Intracommodity-Spreads traden kann. Es gibt noch andere Wege und GrĂŒnde, aber dies ist ein guter Ausgangspunkt. Wenn Sie nach und nach diese Art Spread-Trading und auch die anderen in diesem Artikel erwĂ€hnten Arten ausprobieren, werden Sie sich eine neue Quelle fĂŒr Zuversicht erschließen. Futures- und Warentermin-Trading kann wegen der VolatilitĂ€t schwierig sein, aber jetzt haben Sie mit dem Spread-Trading eine Waffe in der Hand, die Ihnen dabei helfen kann, ein GefĂŒhl der Kontrolle in diesen volatilen Zeiten zu entwickeln.

Noble DraKoln

Noble DraKoln ist ein Vollzeittrader und anerkannter Fachmann fĂŒr TermingeschĂ€fte. Außerdem ist er Autor der BĂŒcher Futures for SmallSpeculators und Forex for SmallSpeculators. Mehr ĂŒber ihn und seine BĂŒcher erfahren Sie auf
www.smallspeculators.com

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Homepage: www.traders-mag.com

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