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Baader Bond Markets: Spiel mir das Lied vom Zins-Tod

K. Stopp I Baader Markets - Bonds - 08.09.2016

Heute ist es wieder soweit - die erste Zinsentscheidung der Europ√§ischen Zentralbank (EZB) nach der Sommerpause steht an. Der Regisseur des Italo-Zins-Klassikers, Mario Draghi, wird bei seiner heutigen Pressekonferenz sicherlich erneut betonen, dass man mit den bisher eingeleiteten Ma√ünahmen zwar noch nicht das Ziel erreicht, aber noch eine Vielzahl an Pfeilen im K√∂cher habe. Um seine Gedanken zum ‚ÄěLied vom Zins-Tod‚Äú n√§her zu erl√§utern, wird Draghi am 28. September vor dem Europa-Ausschuss des Deutschen Bundestages ausgiebig Gelegenheit haben. Denn es sind die deutschen Banken, die in besonderem Ma√üe unter der extremen Niedrigzinspolitik der EZB leiden. Deshalb herrscht f√ľr Draghi ein gewisser Erkl√§rungsbedarf gegen√ľber dem Deutschen Bundestag.

Wer auf eine rasche Zinsanhebung durch die amerikanische Notenbank gesetzt hat, wurde in den vergangenen Monaten ein ums andere Mal entt√§uscht und sieht nach den j√ľngsten US-Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten nur noch eine geringe Chance auf eine baldige Zinserh√∂hung. Dennoch pl√§dieren vereinzelt f√ľhrende Repr√§sentanten der US-Notenbank Fed f√ľr eine baldige √Ąnderung der Notenbankpolitik und argumentieren hierbei, dass der US-Arbeitsmarkt immer noch auf Erholungskurs sei und man Spielr√§ume f√ľr die Zukunft schaffen m√ľsse.

Immerhin meint die OECD, dass sich die Zeit der niedrigen Zinsen allm√§hlich ihrem Ende entgegen neige. Denn nach ihrer Einsch√§tzung haben die f√ľhrenden Notenbanken weltweit ihre M√∂glichkeiten zur Konjunkturbelebung weitestgehend ausgesch√∂pft. Diese These steht allerdings im krassen Widerspruch zur Sichtweise des japanischen Notenbank-Gouverneurs Haruhiko Kuroda, der noch reichlich Spielraum f√ľr geldpolitische Ma√ünahmen sieht. Doch blieb er bisher schuldig, den M√§rkten mitzuteilen, an welche Schritte er dabei denkt. Am 21. September werden wir die Zinswelt vielleicht mit anderen Augen sehen, denn an diesem Tag werden die Vertreter der Notenbanken in Japan und in den USA zusammensitzen, um √ľber k√ľnftige Ma√ünahmen zu beraten.

Doch zuvor gilt es den Worten von Mario Draghi zu lauschen. Die Erwartungshaltungen f√ľr die heutige Sitzung der EZB k√∂nnten nicht unterschiedlicher sein. So erhofft sich ein Teil der Marktteilnehmer Hinweise zu m√∂glichen weiteren geldpolitischen Lockerungsma√ünahmen wie einer zeitlichen Ausweitung der Ankaufprogramme, dem Wegfall der Zinsuntergrenze, der Streichung der prozentualen Volumenbegrenzung je Gattung oder die Einf√ľhrung eines Staffelzinses, um sinnvolles Liquidit√§tsmanagement der Banken nicht noch zu bestrafen.

Zumindest f√ľr heute aber scheint sicher zu sein, dass eine weitere Absenkung der Zinsen nicht auf der Agenda steht und dass nach einer Notenbanksitzung auch stets vor einer Notenbanksitzung ist. Die n√§chste findet am 15. September in England statt und eine Woche sp√§ter blicken wir nach Japan und den USA.

Ma√üanz√ľge f√ľr die EZB

Die Wirkung des Anleihekaufprogramms der Europ√§ischen Zentralbank (EZB) l√§sst bekanntlich zu w√ľnschen √ľbrig. Von dem Inflationsziel 2% und einem Anspringen der Konjunktur im Euroraum ist man jedenfalls noch weit entfernt. Au√üerdem hat das Kaufprogramm, wie schon vielfach beschrieben, ohnehin eine marktverzerrende Wirkung.

Hinzu kommt nun ein weiterer Aspekt. So sind die Investmentbanken dazu √ľbergegangen, zielgenau solche Anleihen ma√üzuschneidern, die von der EZB angekauft werden. Seit die EZB im M√§rz ihre Ankaufpl√§ne verk√ľndet hat, begaben die Banken EZB-f√§hige Firmenanleihen im Volumen von mehr als 110 Mrd. ‚ā¨. Das war mehr als das Doppelte gegen√ľber dem Vorjahreszeitraum und kann somit ohne √úbertreibung als Emissionsboom bezeichnet werden.

Damit wurde ein weiterer Marktmechanismus au√üer Kraft gesetzt. Nicht von ungef√§hr hat die Tageszeitung ‚ÄěDie Welt‚Äú bereits von einer Art Schulden-Bonanza geschrieben, die das Anleihekaufprogramm ausgel√∂st hat und am Ende zu einer Pleitewelle f√ľhren k√∂nnte. Anleihen, welche die Kriterien der EZB erf√ľllen, finden damit in der Notenbank ihre K√§ufer. Alles andere, etwa Bonds von kleinen und mittleren Unternehmen, gehen leer aus - zumindest was den Einkaufszettel der EZB angeht. Die Schere zwischen den gro√üen Emittenten, denen das Geld nachgeworfen wird, und den kleinen Unternehmen, die auch einen gro√üen Beitrag zur Wirtschaftsleistung beitragen, geht immer weiter auseinander.

Insgesamt muss man feststellen, dass die EZB durchaus mit Hochdruck ihr Ankaufprogramm vorantreibt. So hat die Notenbank bisher im Wochenschnitt Corporate Bonds im Wert von ca. 1,7 Mrd. ‚ā¨ erworben. Unverst√§ndlich erscheint es vor diesem Hintergrund, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm und die damit verbundenen Kriterien so offen gegen√ľber dem Markt kommuniziert hat. Wenn eine Seite ihre Absichten so berechenbar zeigt, wie es die EZB getan hat, f√§llt es den anderen Marktteilnehmern leicht, darauf bereits im Vorfeld zu reagieren und die Marktmechanismen auszuhebeln. H√§tte nicht einfach die blo√üe Ank√ľndigung der EZB, ein Aufkaufprogramm starten zu wollen, gen√ľgt? Die Rolle als verdeckter Finanzmarktpolizist w√§re vielleicht sinnvoller gewesen.

Erst j√ľngst musste auch die Bank von England feststellen, dass der Markt nicht die gew√ľnschte Menge an Anleihen zur Verf√ľgung stellte. Daraufhin wurde der Fehlbetrag auf die n√§chste Kaufaktion vorgetragen.

Alte Baustellen in Europa und ein Hoffnungsschimmer in Italien

Nach dem Ende der Sommerpause stellt man fest, dass die Zahl der europäischen Baustellen nicht abgenommen hat. Im Gegenteil, die eine oder andere ist neu hinzugekommen.

Zum Beispiel Spanien: Das Land ist seit mehr als 250 Tagen ohne handlungsf√§hige Regierung und wird zur Belastung f√ľr die gesamte Eurozone. Nachdem der konservative Ministerpr√§sident Rajoy im Parlament zum zweiten Mal bei seinem Versuch gescheitert ist, wiedergew√§hlt zu werden, sind Neuwahlen im Dezember immer wahrscheinlicher. Die Sozialisten hatten ihm vergangene Woche wegen der Korruptionsskandale in seiner Partei die Unterst√ľtzung verweigert und den Stillstand im Land verl√§ngert. Doch dieser Stillstand kostet Geld und Zeit ‚Äď Zeit, die den Reformstau in Spanien weiter verl√§ngert. Nun haben die Parteien bis Ende Oktober Zeit, sich noch einmal √ľber m√∂gliche Regierungskonstellationen auszutauschen. Sofern diese Gespr√§che scheitern, steht Spanien vor einer weiteren Neuwahl. Nach den gesetzlichen Fristen w√ľrde der Wahltermin ausgerechnet auf den ersten Weihnachtstag fallen. Immerhin sind sich in diesem Fall Sozialisten und Konservative dar√ľber einig, das Wahlrecht so zu √§ndern, dass eine Neuwahl ein paar Tage vor dem Weihnachtsfest stattfinden k√∂nnte.

Zum Beispiel Griechenland: W√§hrend der Internationale W√§hrungsfonds (IWF) noch immer nicht bereit ist, an dem aktuellen Finanzierungsprogramm f√ľr Griechenland teilzunehmen, h√§lt der Euro-Rettungsfonds ESM Schuldenerleichterungen f√ľr leicht durchf√ľhrbar. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte erneut betont, dass es in Hellas signifikante Reformen geben m√ľsse und die Schulden tragf√§hig nach IWF-Standards sein m√ľssten.
Voraussetzung f√ľr Erleichterungen ist seitens des ESM einmal mehr die Umsetzung von Reformen. Hierbei geht es vor allem um die Pl√§ne f√ľr einen Privatisierungsfonds und den Verkauf einiger Staatsanteile. Das derzeitige Hilfsprogramm f√ľr Griechenland l√§uft bis 2018. Darin stellten die Geldgeber von EZB, EU und IWF bis zu 86 Mrd. ‚ā¨ an Krediten in Aussicht ‚Äď immer unter der Bedingung, dass das Land Reformen durchf√ľhrt.

Zum Beispiel Italien: Dort soll zwischen dem 15. November und dem 5. Dezember ein Referendum √ľber eine Verfassungsreform stattfinden, mit dem Ministerpr√§sident Matteo Renzi die Macht des Senats stark begrenzen will. Damit best√ľnde die Chance, das blockadeanf√§llige System aus zwei gleichberechtigten Parlamentskammern zu √ľberwinden. Mit dem neuen System h√§tte die Abgeordnetenkammer das letzte Wort bei der Verabschiedung von Gesetzen. Reformen w√ľrden erleichtert und das durch h√§ufige Regierungswechsel gepr√§gte politische System k√∂nnte stabilisiert werden. Stimmen die Italiener mit ‚ÄěJa‚Äú, d√ľrfte sich Renzi als erfolgreicher Reformer feiern lassen. Der Ausgang des Referendums ist offen. Dennoch sind die Bem√ľhungen von Renzi als Hoffnungsschimmer zu werten.

Neuer Anlauf zur Lösung des Heta-Streits

Der milliardenschwere Streit um die √∂sterreichische Pleitebank Heta k√∂nnte vor einer Einigung stehen. Das Bundesland K√§rnten hat den Gl√§ubigern ein neues Angebot vorgelegt, das 7,8 Mrd. ‚ā¨ kosten w√ľrde.

Inhaber besicherter Anleihen w√ľrden demnach rund 90% ihrer Forderungen zur√ľckbekommen, die Inhaber von nachrangigen Papieren nur rund 45%. Insgesamt m√ľssen zwei Drittel der Geldgeber dem neuen Angebot zustimmen. Au√üerdem m√ľssen von den Inhabern vorrangiger und nachrangiger Heta-Anleihen jeweils mindestens 75% zustimmen. Die Frist f√ľr die Annahme l√§uft bis zum 7. Oktober, 17.00 Uhr. Gro√üe Gl√§ubiger-Gruppen haben bereits im Vorfeld zum Ausdruck gebracht, die neue Offerte annehmen zu wollen.

Die Heta stellt eine der gr√∂√üten Banken-Abwicklungen in Europa dar. K√§rnten hat Garantien f√ľr Anleihen der ehemaligen Hypo Alpe Adria von rund elf Milliarden Euro √ľbernommen, sieht sich aber nicht in der Lage, die Schulden vollst√§ndig zur√ľckzuzahlen. Das √∂sterreichische Bundesland plant vorrangige Anleihen nun zu 75% des Nennwerts zur√ľckkaufen und nachrangige Papiere zu 30%. In der Konsequenz k√∂nnten die Gl√§ubiger dann die Erl√∂se in andere staatliche Papiere stecken, so dass sie am Ende auf eine R√ľckzahlungsquote von 90% beziehungsweise 45% k√§men.

Die Gl√§ubigerbanken mussten Anfang 2015 auf Druck der Europ√§ischen Zentralbank (EZB) die H√§lfte des Werts ihrer Heta-Papiere abschreiben. W√ľrde nun mehr zur√ľckbezahlt, k√∂nnten R√ľckstellungen aufgel√∂st und laut der Ratingagentur Fitch Buchgewinne von bis zu 1,5 Mrd. ‚ā¨ entstehen.

Die Liste von Draghis Kritikern wird länger

Jens Weidmann, Axel Weber, Wolfgang Sch√§uble und nicht zuletzt Experten aus unserem Hause. Die Liste der Kritiker des Mario Draghi ist vor allem in Deutschland lang. Ende August hat sich nun auch noch John Cryan eingereiht. In ungewohnt scharfer Form hat der Chef der Deutschen Bank in einem Gastbeitrag f√ľr das ‚ÄěHandelsblatt‚Äú die Politik der Europ√§ischen Zentralbank (EZB) angegriffen.

Nat√ľrlich habe die Notenbank viel f√ľr Europa getan, attestiert er der EZB. Aber inzwischen wirkt die Geldpolitik laut Cryan den Zielen entgegen, die Wirtschaft zu st√§rken und das europ√§ische Bankensystem sicherer zu machen. ‚ÄěDie erhofften positiven Effekte sind ausgeblieben‚Äú, stellt der Brite fest. Unternehmen hielten sich aufgrund der anhaltenden Unsicherheit mit Investitionen zur√ľck und fragten kaum mehr Kredite nach. Damit werden die Ziele der Notenbank im Kern konterkariert. Cryan fordert vor diesem Hintergrund EZB-Pr√§sident Mario Draghi zu einem Kurswechsel auf, sprich: Zum Ausstieg aus den Minuszinsen. Es k√∂nne nicht sein, so der Spitzenbanker, dass die Finanzaufseher h√∂here Sicherheitspolster von den Banken fordern, f√ľr diese zus√§tzlichen Reserven dann aber Strafzinsen verlangen. Der Zins√ľberschuss, der die wichtigste Ertragsquelle der Banken darstellt, sei seit 2009 um 7% geschrumpft, stellt Cryan fest. Kein Geld aufzunehmen, sondern Geld vorzuhalten kostet Zinsen. ‚ÄěSicherheit wird damit bestraft", res√ľmiert Cryan.

Jetzt auch Corporates mit negativer Emissionsrendite

P√ľnktlich zum Ende der Sommerferien und der Urlaubszeit kehren auch verschiedene Akteure an den Prim√§rmarkt zur√ľck. Das aktuell g√ľnstige Renditelevel sicherte sich neben Henkel auch Sanofi durch die Emission diverser Anleihen. Erstmals wurden Bonds der beiden Emittenten mit negativer Rendite am Prim√§rmarkt f√ľr Corporates platziert, was allerdings der Nachfrage seitens der Investoren keinen Abbruch tat.

Der Konsumg√ľterhersteller Henkel refinanzierte insgesamt 1,2 Mrd. ‚ā¨ als Dualtranche. Bei der ersten Anleihe (XS1488370740) handelt es sich um einen 2-j√§hrigen Zerobond im Volumen von 500 Mio. ‚ā¨ mit Laufzeitende am 13.09.2018. Das Pricing erfolgte zu 100,10% (Rendite -0,05%) und damit bei +18,9 bps √ľber Mid Swap.

Das zweite Papier (XS1488418960) wurde als 5-j√§hrige Nullkuponanleihe im Umfang von 700 Mio. ‚ā¨ und einer F√§lligkeit am 13.09.2021 emittiert. Der Ausgabepreis von 100% entsprach einem Emissionsspread von +16,6 bps √ľber Mid Swap. Henkel entschied sich bei beiden Anleihen ebenfalls f√ľr die ‚ÄěPrivatanleger-freundliche‚Äú Mindestanlagesumme von 1.000 ‚ā¨, aber gleichzeitig auch zur Festschreibung eines optionalen K√ľndigungsrechts zu Gunsten des Emittenten (Make-Whole-Option).

Das in der Pharmazeutika Herstellung t√§tige Unternehmen Sanofi refinanzierte insgesamt 3 Mrd. ‚ā¨ verteilt auf drei Anleihen. Der erste Tranche, ein etwas mehr als 3-j√§hriger Bond (FR0013201613) hat ein Volumen von 1 Mrd. ‚ā¨ und wurde als Zerobond begeben. Das Laufzeitende ist am 13.01.2020. Der Ausgabepreis lag bei 100,167% (Rendite -0,05%) und somit bei +16,8 bps √ľber Mid Swap. Die zweite Anleihe (FR0013201621) im Volumen von 850 Mio. ‚ā¨ ist am 13.09.2022 endf√§llig und wurde ebenfalls als Nullkupon begeben. Das Pricing erfolgte bei +17 bps √ľber Mid Swap und folglich betrug der Ausgabepreis 99,539%. Bei der dritten Anleihe (FR0013201639) im Bunde handelt es sich um ein etwas mehr als 10-j√§hriges, 1,15 Mrd. ‚ā¨ schweres Papier, welches den Investoren eine nominale Verzinsung in H√∂he von 0,5% p.a. bis zum Laufzeitende am 13.01.2027 bietet. Der Reoffer lag bei 99,449% und somit bei +27 bps √ľber Mid Swap.

Sanofi entschied sich bei allen Anleihen f√ľr die Mindestst√ľckelung von 100.000 ‚ā¨ und lie√ü auch die sogenannte Make-Whole-Option in die Anleihebedingungen aufnehmen.

Der Roll-Over ermöglicht uns optisch einen billigen Einstieg

Viermal im Kalenderjahr steht ein Roll-Over bei den Zins-Futures an und heute ist es wieder soweit. Also nicht wundern, wenn der September-Kontrakt nicht mehr updatet, denn ab heute spielt die Musik im Dezember-Kontrakt. Beim ersten Blick wird sich mancher Investor verwundert die Augen reiben, da jetzt wieder Kurse von ca. 165,50% angezeigt werden. Das bisherige Kontrakthoch lag am D-Day (Draghi-Day) bei 168,86%, allerdings im Juni-Kontrakt. Die Rendite der 10-jährigen Anleihe belief sich damals auf -0,19% und heute bei 165,55% auf -0,122%. Also sind die preislichen Unterschiede lediglich der Finanzmathematik geschuldet und bedeuten nicht den von vielen Investoren herbeigesehnten Kursrutsch.

Die Preisunterschiede infolge des Kontraktwechsels belaufen sich beim Euro-Buxl-Future auf ca. -1,72 Prozentpunkte (PP), beim Euro-Bund-Future auf ca. -2,75 PP und beim Euro-Bobl-Future auf ca. 2,05 PP. Lediglich der Euro-Schatz-Future hat sein Niveau beibehalten. Da die teilweise großen preislichen Anpassungen jedoch ein verfälschtes Bild aufzeigen können, sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass der bereits Mitte des vergangenen Jahres entstandene Rendite-Abwärtstrend bei der 10-jährigen Benchmark-Anleihe der Bundesrepublik Deutschland weiterhin intakt ist.

Zugleich ergeben sich folgende charttechnische Marken f√ľr den aktuellen Dezember-Kontrakt: Die erste Unterst√ľtzung verl√§uft bei ca. 164,44% (Tief am 5. und 6.9.) und erst beim Durchbrechen richtet sich der Blick auf den Bereich bei ca. 163,67% (Tief am 27.7. und 2.8.). Das bisherige Allzeit-Hoch bei 168,86% ist um die Roll-Over-Differenzen zu bereinigen und somit ergibt sich rechnerisch ein Wert von ca. 166,40%. Der Weg ist also vorgezeichnet und es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Niveau erneut in Angriff genommen wird.

Bundesanleihe technisch unterzeichnet

In der infolge eines US-Feiertages verk√ľrzten Handelswoche wurden in den USA nur T-Bills im Volumen von 114 Mrd. USD mit Laufzeiten von 4 Wochen sowie 3 und 6 Monaten emittiert.

Auch in Euroland legte der Prim√§rmarkt f√ľr Staatsanleihen eine kleine Verschnaufpause ein. Lediglich √Ėsterreich stockte am Dienstag dieser Woche zwei Altemissionen (A1HJL5 / 2023 ; A18X6P / 2026) auf. Am gleichen Tag erh√∂hte auch die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland das Emissionsvolumen der inflationsindexierten Anleihe (103056) um 500 Mio. ‚ā¨ auf insgesamt 8 Mrd. ‚ā¨. Die Zuteilung erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -1,00%. Die am gestrigen Mittwoch ebenfalls im Tenderverfahren angebotene 10-j√§hrige Anleihe (110240) konnte allerdings nicht in dem urspr√ľnglich geplanten Volumen bei Kaufinteressenten platziert werden. Von den angepeilten 5 Mrd. ‚ā¨ mussten fast 1,5 Mrd. ‚ā¨ in den Eigenbestand des Bundes umgebucht werden. F√ľr ca. 3,5 Mrd. ‚ā¨ der aufgegebenen Kaufauftr√§ge von ca. 3,95 Mrd. ‚ā¨ erfolgte die Zuteilung trotz der technischen Unterzeichnung bei einer Durchschnittsrendite von -0,11%.

Schwache Daten machen Greenback zu schaffen

Das Handelsgeschehen an den Finanzmärkten war in den vergangenen Wochen durch nahezu gespenstische Ruhe gekennzeichnet. Doch so ganz allmählich erwachen die Märkte aus ihrer Lethargie.

Am Devisenmarkt zeigte sich das W√§hrungspaar EUR/USD dieser Tage recht schwankungsanf√§llig. Aufgrund des Feiertags am Montag in den Vereinigten Staaten startete die europ√§ische Gemeinschaftsw√§hrung zun√§chst ziemlich verhalten in die neue Woche und pendelte um die Marke von 1,1150 USD. Im weiteren Handelsverlauf sorgten jedoch √ľberraschend schlechte US-Zahlen aus dem Dienstleistungssektor f√ľr einen Schw√§cheanfall beim Greenback. Unter anderem konnte der Euro davon profitieren und stieg in der Folge bis auf 1,1271 USD. Mit der heute anstehenden EZB-Pressekonferenz k√∂nnte die Volatilit√§t beim Devisenpaar Euro/Dollar weiterhin bestehen bleiben. Im Vorfeld der Ratssitzung handelt die Einheitsw√§hrung heute Morgen bei 1,1255 USD.

Vor der EZB tagte in dieser Woche bereits die Notenbank Australiens. Nach zwei Zinssenkungen in den vergangenen vier Monaten blieb der Leitzins diesmal unver√§ndert bei 1,50%. Die australische Wirtschaft entwickelt sich nach den j√ľngsten Zahlen bestens. Das Bruttoinlandsprodukt hat im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,3% zugenommen. Damit bleibt Australien inzwischen seit 25 Jahren von einer Rezession verschont und das dr√ľckt sich auch im W√§hrungskurs gegen√ľber dem Euro aus. Aktuell notiert die europ√§ische Gemeinschaftsw√§hrung bei 1,4625 AUD.

Die Handelsaktivit√§ten bei den W√§hrungsanleihen bleiben aufgrund der noch vorherrschenden Urlaubszeit √ľberschaubar. Trotzdem verzeichneten Bonds lautend auf US-Dollar, t√ľrkische Lira, s√ľdafrikanische Rand sowie brasilianische Real eine gewisse Umsatzt√§tigkeit.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontrof√ľhrung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der f√ľhrenden Investmentbanken f√ľr die DACH-Region (Deutschland, √Ėsterreich, Schweiz) und Marktf√ľhrer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank f√ľr die b√∂rsliche und au√üerb√∂rsliche Preisfindung von √ľber 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungsl√∂sungen f√ľr Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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