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Die Problematik der Rohstoffzertifikate

Sebastian Hell I QTrade - Commodities - 11.02.2015

Mehr als 70 Prozent der deutschen Haushalte heizen mit Öl und Gas. Sie haben im Moment allen Grund zu Freude, denn der sinkende Ölpreis sorgt für eine Ersparnis von rund 40 Prozent gegenüber den Höchstkurse des Jahres 2012. Auf den internationalen Terminmärkten werden die Rohstoffpreise in US-Dollar abgerechnet. Ohne die extreme Schwäche des Euros, hätten sich die Preise in knapp zwei Jahren glatt halbiert.

Auch so wünscht sich aber manch Hausbesitzer, er hätte im Keller einen größeren Tank stehen und könnte das vermeintliche billige Öl gleich für die nächsten Jahre bunkern. Unabhängig davon, ob die Notierungen für das schwarze Gold noch weiter sinken oder nicht, das Preisniveau ist verlockend genug. Nun lohnt vermutlich kein Anbau für neue Öltanks, aber wäre es nicht möglich, sich die aktuellen Kurse über entsprechende Instrumente an der Börse zu sichern?

Absicherung des Einkaufspreises

Theoretisch wäre es denkbar an der Börse (bzw. EUREX) ein Call-Zertifikat oder eine Option zu kaufen, um von wieder ansteigenden Ölpreisen in dem Maße zu profitieren, wie es für den Kauf der gleichen Menge Öl im privaten Bereich nötig wäre. Streng genommen fiele dieser Vorgang nicht einmal in den Bereich der Spekulation, denn die Höhe des Verbrauches kennt der Haubesitzer relativ gut.

Fällt der Ölpreis, dann sinkt auch der Kurs des Zertifikates, aber der Einkauf wird dementsprechend billiger. Steigt der Ölpreis, dann steigt auch der Kurs des Zertifikates und der Gewinn kann für den Einkauf verwendet werden. Ein schöner Gedanke, aber die Sache hat leider einen Haken.

Kaufen Sie einen Tanker

Schon seit vielen Wochen greift der internationale Ölhandel zu ungewöhnlichen Mitteln: Weltweit werden große Supertanker angemietet, bis zur Oberkante aufgefüllt mit Rohöl und fahren anschließend zurück auf die offene See. Dort angekommen, haben Sie nur eine Aufgabe: Warten. Warten auf höhere Preise. Warum ist das ein lukratives Geschäft? Dazu muss man ansatzweise die Funktionsweise von Terminmärkten erklären, an denen Rohstoffe aller Art gehandelt werden. Terminmarkt-Kontrakte haben eine feste Laufzeit und können sich preislich unabhängig voneinander entwickeln.

Auf dem Ölmarkt wird aktuell eine Erholung auf Jahressicht eingepreist, weshalb der der Ölpreis für eine Lieferung in einem Jahr 20 Prozent mehr kostet, als der aktuelle Spotpreis. Die Ölhändler haben also die Möglichkeit, die gesamte Ladung bereits jetzt mit einem Aufschlag von 20 Prozent zu verkaufen. Bei dieser Marge ist die tägliche Miete für den Tanker von rund 25.000 US-Dollar bis zur Lieferung in einigen Monaten verkraftbar. Diese Lagerkosten entstehen nämlich nicht nur bei schwimmenden Speichern, sondern auch an Land. Womit wir wieder beim Problem für den Haubesitzer wären.

Contango

Ein endloses Call-Zertifikat könnten Sie theoretisch ewig in Ihrem Depot liegen lassen. Im Hintergrund wird der Emittent allerdings permanent in Ihrem Auftrag aktiv. Kurz vor Ende der Laufzeit verkauft er den aktuellen Kontrakt und schichtet um in den nächsten. Dabei entstehen Kosten, denn wie Sie bereits erfahren haben, handeln die zukünftigen Kontrakte mit einem starken Aufschlag zum Preis bei Sofortlieferung. Diesen Zustand nennt man Contango, die entgegengesetzte Marktsituation Backwardation (komm deutlich seltener vor).

Auch wenn der Aufschlag derzeit extrem anmutet und eine Erholung der Öl-Notierungen bereits vorweg nimmt, ist er auch in weniger angespannten Situationen nachvollziehbar. Die Lagerung von Öl kostet Geld in Form von Lagergebühren, Versicherungskosten und Zinsen. Wer bezahlt diese Rollkosten? Sie! Der Emittent kann mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Terminkontrakte nur noch eine geringere Menge des zukünftigen Kontraktes kaufen. Die Folge: Der Kurs des Zertifikates sinkt fortwährend während der Haltedauer, denn die Kosten werden fließend abgezogen.

Fazit

Erbwerben Sie jetzt ein Call-Zertifikat, dann muss Öl bis Dezember um rund 20 Prozent steigen, damit Sie keinen Verlust erleiden. Zusätzlich unterliegt Ihre Anlage natürlich einem Währungsrisiko. Sollte Ihr privater Verbrauch mehr als eine Million Barrel Öl im Jahr betragen, dann lohnt sich also eventuell doch die Anschaffung eines Tankers! Eine andere, etwas spekulativere, Alternative wäre evtl. der Kauf eines ETFs mit dem Schwerpunkt Ölfördernde Unternehmen, die von einer Kurserholung profitieren sollten. Oder Sie spekulieren direkt auf den Future mittels CFDs.

Ihr Sebastian Hell
CFD-Experte & Börsenjournalist

Die obenstehende Kolumne wird Ihnen präsentiert von QTrade (www.qtrade.de)!
Weitere Artikel von Sebastian Hell finden Sie auch unter https://qtrade.de/tradingblog

Über den Autor & Qtrade
Sebastian Hell hat Internationale Finance in Deutschland und den USA studiert. Er berät Vermögensverwalter und Hedge Fonds bei der Umsetzung von Handelsstrategien und veröffentlich regelmäßig im Auftrag von QTrade (www.qtrade.de) Kolumnen über die Finanzmärkte. QTrade mit Sitz in München bietet seinen Kunden neben Top-Handelskonditionen umfangreiche Zusatzsoftware für den MetaTrader 4 und 5 wie Actionlines, Sekunden-Trader, QCentral, QSnap und vieles mehr! Mehr Infos unter www.qtrade.de

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