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[Traders' Mag] - Der Bedarf der Finanzmärkte an neuen Trading Instrumenten wächst weiterhin schnell. Die Investoren brauchen in den heutigen dynamischen internationalen Märkten schnelle, kosteneffektive Transaktionen ebenso wie Vielseitigkeit und Flexibilität bei der Ausführung kreativer Trading-Strategien.
Eurex als größte Derivatebörse der Welt gibt sich nach wie vor große Mühe, diese Nachfrage zu befriedigen. Am 24. Oktober eröffnete die Börse den Handel mit Single Stock-Futures (SSFs) auf alle DAX- und Euro Stoxx 50-Komponenten sowie zehn liquide Schweizer Aktien. Dieser Schritt weitet das bereits riesige Produktportfolio, in dem sich schon Aktienoptionen, Index und Zins-Futures und –optionen und auch Volatilitäts- und Geldmarktderivate befinden, weiter aus.
Der augenblickliche Stand
Single Stock-Futures sind natürlich keine Erfindung der Eurex.
Euronext war der Pionier des SSF Handels, als der Markt im Januar 2001 eröffnete und seitdem durch sein Wachstum beeindruckt. Die Börse meldet ein durchschnittliches tägliches Volumen in 2005 von 52.000 Kontrakten mit insgesamt zehn Millionen Kontrakten bis Ende Oktober. Das Offene Interesse lag Ende Oktober um 236.000 Kontrakte.
Nach Aussage der Börse sind Institutionen die hauptsächlichen Marktteilnehmer.
Auch aus den USA berichtet die Single Stock-Futures-Börse OneChicago über beständiges Wachstum. OneChicago ist ein gemeinsames Unternehmen der Chicago Board Options Exchange (CBOE), Chicago Mercantile Exchange (CME) und des Chicago Board of Trade
(CBOT). Die Börse erreichte Mitte Oktober beim Offenen Interesse mit
nahezu 1,4 Millionen Kontrakten einen Rekord; das tägliche Handelsvolumen liegt bei etwa 20.300 Kontrakten. Das bisherige Jahresvolumen war per 31. Oktober 2005 4,3 Millionen Kontrakte.
OneChicago führte SSFs für ausgewählte US-Aktien Ende 2002 ein, nachdem wegen eines aufsichtsrechtlichen Disputs zwanzig Jahre lang keine Futures auf einzelne Werte zugelassen waren. Die Markteinführung erfüllte die Erwartungen jedoch nicht. Ein Grund war der Zeitpunkt, nämlich mitten in einem Bärenmarkt. Aber ein anderer Grund war, dass die Investoren einfach nichts mit den neuen Derivaten anzufangen wussten.
OneChicago begegnete der anfänglichen Skepsis durch Programmangebote für Training und Ausbildung. Das stellte sich als das fehlende Glied heraus. Nicht nur die Teilnahme hat zugenommen,
und das Wachstum ist beständig, sondern es stehen jetzt individuelle Equity-Futures auf 200 verschiedene Aktien bei
OneChicago zur Verfügung. Wieder sind die Institutionen die hauptsächlichen Teilnehmer in diesem Markt, aber OneChicago meldet auch eine gesunde Teilnahme privater Investoren und Trader.
Warum jetzt an der Eurex
Warum hat die Eurex bis heute mit der Einführung von Single Stock-Futures gewartet?
Der Hauptgrund waren die beschränkten Mittel für Short-Positionen in Aktien
und bestimmten Derivaten in vielen europäischen Ländern.
Das alles änderte sich im Jahr 2004 mit der Einführung eines neuen EU-Gesetzes namens UCITS III (ausgesprochen
u-sits). Das Gesetz änderte das rechtliche Arbeitsumfeld für Fonds, und sie können nun Derivate mit Cash-Settlement shorten.
Die neuen Möglichkeiten, die sich durch die rechtlichen Reformen ergaben, führten zu einer Nachfrage institutioneller Anleger nach Derivaten auf europäische Aktien. Das wiederum führte zu entsprechenden Aktivitäten in der Abteilung für Produktentwicklung bei der Eurex.
Das Produkt
Die SSFs der Eurex werden bar abgerechnet. Das bedeutet, dass bei Verfall keine Lieferung des zugrunde liegenden Wertes erfolgt. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den bei OneChicago gehandelten SSFs, die
durch Lieferung des zugrunde liegenden Wertes abgerechnet werden. Bei Euronext findet das Settlement entweder bar oder durch Lieferung statt, je nach zugrunde liegender Aktie.
Eurex bietet vier vierteljährliche Fälligkeiten an:
März, Juni, September und Dezember sowie
Zwischenfälligkeiten im April, Mai und Juli. Der letzte Trading-Tag ist der dritte Freitag des Verfallmonats. Die SSFs auf italienische Werte laufen am Tag vor dem dritten Freitag aus. Tick- und Kontraktgrößen sind die gleichen wie bei den entsprechenden Aktienoptionen.
(zum Beispiel DBI: 100 Aktien, 0,01 Euro).
Die Handelszeit im Orderbuch geht von 9:00 Uhr morgens bis 17:45 Uhr nachmittags, MEZ. Alle SSF-Kontrakte können over-the-counter, OTC, gehandelt werden, Mindestauftragsgröße ist ein (1) Kontrakt. Das OTC-Trading geht bis 19:00 Uhr abends.
Margin
Die Margin-Anforderungen der Eurex sind niedrig und variieren von Kontrakt zu Kontrakt. Im allgemeinen liegen sie bei zehn bis 15 Prozent des Kontraktwertes (fragen Sie Ihren Broker nach den genauen Zahlen). Es erfolgt hundertprozentiger Margin-Ausgleich zwischen den Aktien-Futures und Aktienoptionen, und es gibt keine Positions-Limits.
Auch Optionshändler, die mit Hedging-Strategien arbeiten, wissen die neuen Kontrakte zu schätzen. Die Derivate erlauben ihnen die Ausführung von Trades, bei denen sowohl die zugrunde liegenden Aktien als auch Aktienoptionen eingesetzt werden, indem sie Aktien-Futures verwenden und nicht im Kassamarkt handeln.
Wer handelt mit SSFs?
Die Eurex rechnet wegen der OTC Handelsmöglichkeiten zwischen den großen Institutionen anfangs hauptsächlich mit institutionellen Anlegern als Teilnehmer am SSF-Handel. Das Volumen ist seit der Eröffnung am 24. Oktober sehr niedrig, und einige Kontrakte wurden überhaupt nicht gehandelt. Kleinere Einzelinvestoren und private Anleger warten wohl ab, bis das Volumen zunimmt, bevor sie sich die Füße nass machen. Aber zur Überraschung der Eurex haben mehrere Market Maker begonnen, Kurse für die neuen Kontrakte zu stellen; diese Entwicklung war erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartet worden. Die angebotenen Spreads sind manchmal schon besser als am Kassamarkt.
Wie die meisten Futures-Märkte werden auch die SSFs vermutlich ein Handelsinstrument für anspruchsvolle Anleger bleiben, gleich ob institutionelle oder private.
Die Teilnehmer müssen mit Risiko umgehen können und sowohl das Gewinn- wie das Verlustpotenzial des Futures-Handels verstehen.
Trading-Strategien
Strategien für den Handel mit SSFs reichen von elementaren long oder short Trades bis hin zu sehr komplexen Hedging-Strategien, die hauptsächlich von Institutionen eingesetzt werden. Hier sind ein paar Beispiele:
Vorteile im Handel
Worin besteht der Vorteil, mit SSFs statt mit den zugrunde liegenden Aktien zu handeln? Einer der Hauptgründe für die Einführung von Derivaten an der Eurex war das Angebot an die Institutionellen einer billigeren und einfacheren Methode zum Shorten von Aktien. Anleger, die eine Short-Position einnehmen wollen, weil sie auf das Fallen einer Aktien setzen, brauchen einfach nur einen Futures-Kontrakt zu verkaufen. Üblicherweise muss man für den Short-Verkauf von Aktien, wenn er überhaupt erlaubt ist, die Aktien ausleihen, sie im Markt verkaufen und später zurückkaufen, um den Verleiher zu bezahlen.
Die Margin-Anforderungen für das Shorten von Aktien sind meist hoch, und es gibt Leih- und mehrfache Transaktionsgebühren. Mit SSFs fällt das alles weg. Natürlich ist auch der Hebel eines Futures- Kontraktes eine große Attraktion. Wenn Sie zum Beispiel 100 Aktien zu 60 Euro in Siemens long sein wollen, kaufen Sie entweder die Aktien für 6000 bar oder wenn Sie ein Margin-Konto für den Aktienhandel haben, setzen Sie mindestens 50 Prozent oder 3000 Euro ein. Mit einem SSF brauchen Sie zum Beispiel nur 15 Prozent oder 900 Euro und kontrollieren damit eine 6000 Euro-Anlage. Der Hebel bietet einen effizienten Kapitaleinsatz, wodurch es Tradern möglich ist, verschiedene Aktien mit variierenden Strategien einzusetzen. Er erhöht auch das potentielle Risiko, was nicht für alle Anleger geeignet ist.
Bullische Strategie
Ein Händler sieht den Wert ABC auf dem Weg nach oben und kauft einen SSF auf ABC an Stelle von 100 Aktien. Der Kurs von ABC liegt bei 50 Euro pro Aktie. Der Händler muss zum Beispiel 15 Prozent Margin oder 750 Euro (15 Prozent von 5000) hinterlegen, um einen Kontrakt long zu gehen. Die gleiche Transaktion im Kassamarkt erfordert entweder 5000 Euro bar oder 2500 Euro über ein Margin-Konto sowie 2500 Euro vom Broker zu leihen und zu verzinsen.
Bärische Strategie
Der Händler erwartet einen Kursrückgang bei ABC und verkauft einen SSF-Kontrakt auf ABC short, anstatt 100 Aktien des Wertes zu shorten. ABC steht bei 50 Euro pro Aktie, so dass der Händler 15 Prozent oder 750 Euro einsetzt, um den SSF zu shorten.
Um die Kassaaktie zu shorten, müsste der Trader den Ertrag von 5000 Euro aus dem Short-Verkauf einsetzen plus 2000 Euro oder mehr an zusätzlicher Margin, um eine Short-Position zu eröffnen.
Dividendenspekulation mit Single Stock-Futures
Bevor wir fortfahren, wollen wir uns kurz ansehen, wie der faire Wert eines SSF-Kontraktes berechnet wird:
1 SSF-Kontrakt = Aktienwert + Zinsrate – Dividende der Aktie
Der Händler rechnet mit einer Dividendenerhöhung bei ABC in Vorwegnahme erwarteter guter Unternehmensnachrichten. Die Dividende beträgt zur Zeit 30 Cents und könnte vor dem Verfall des Futures auf 38 Cents erhöht werden. Die Strategie besteht darin, einen SSF-Kontrakt in ABC short und 100 ABC-Aktien long zu gehen. Wenn die Dividende tatsächlich erhöht wird, sollte der Kurs des Futures um den Betrag der Dividendenerhöhung sinken, so dass der Händler einen risikofreien Gewinn von acht Cents pro SSF-Kontrakt einstreicht.
Fairer Kurs vor Dividendenerhöhung:
1 SSF-Kontrakt = Aktienkurs + Haltekosten – Dividende der Aktie (30 Cents)
Fairer Kurs nach Dividendenerhöhung:
1 SSF-Kontrakt = Aktienkurs + Haltekosten - Dividende der Aktie (38 Cents)
Stock Picking
Einzelne Aktien-Futures können in Kombination mit dem Index-Future eingesetzt werden, um die relative Performance eines oder einiger bestimmter Werte vom zugrunde liegenden Aktienmarkt zu trennen.
Auf diese Weise können Fondsmanager das direkte Marktrisiko umgehen und eine Transaktion strukturieren, die von der relativen Outperformance der einzelnen Aktie gegenüber dem zugrunde liegenden Aktienmarkt profitiert.
Portfolio-Anpassung
SSFs können dazu verwendet werden, die einzelnen Aktienanlagen innerhalb eines Aktienmarktes zu verändern. Wenn ein Fondsmanager ein Portfolio in Euro Stoxx-Aktien hält, kann er SSFs kaufen und verkaufen, um die Investition in eine Aktie zu reduzieren und in eine andere zu erhöhen. Die Attraktion einer solchen Technik liegt darin, dass das vorhandene Portfolio intakt bleibt.
Alles aus einer Hand
Der Einstieg der Eurex in den SSF-Markt besitzt alle Voraussetzungen, um ein großer Erfolg zu werden. Das Interesse an Single Stock-Futures steigt bei OneChicago in den USA und bei Euronext in Europa. Mit den neuen EU-Gesetzen, die den Short-Verkauf von bar abgerechneten Derivaten erlauben, werden auf den europäischen Märkten tätige Fonds beginnen, die Möglichkeiten des neuen Derivate Angebotes auszuloten, und das Volumen wird ansteigen. Im Laufe der Zeit werden auch Einzel-Trader die Vorteile des Handels mit SSFs im kurzfristigen Handel gegenüber dem Kassamarkt sehen. Die SSFs in Kombination mit den bereits
populären Aktienoptionen und Index-Futures der Eurex führen dazu, dass die Eurex eine zentrale Adresse für Derivate geworden ist. Das macht die Börse zu einem machtvollen Anbieter in der Derivateindustrie.
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